Hanf ist Medizin

Jul 17

Nach dem Gespräch mit Prof. Dr. Stein machte ich mich auf die Suche nach einer zweiten Meinung und traf dabei auf Günter Weiglein, einen von nur 24 Deutschen, die eine amtliche Genehmigung für ihren Cannabiskonsum haben. Ganz offensichtlich gibt es mindestens 24 Ärzte in Deutschland, die ihrem Kollegen Stein widersprechen würden. Denn sie verschrieben den ganz natürlichen Hanf als Medizin. Obwohl Günter mit seinem Franchise-Business „Rent-a-Pizzeria®" meistens irgendwo in Deutschland auf Tour ist, hatte ich schon bald die Gelegenheit, mit ihm ein ausführliches Interview zu führen. Ich besuchte ihn in der Wiesenburg, einer be­kannten Berliner Künstlerkommune, wo der gebürtige Bayer inzwischen seinen festen Wohnsitz hat. Seit einem Autounfall leidet Günter unter chronischen Schmerzen im Rücken, in der linken Schulter und dem linken Oberschenkel, die er mittlerweile ganz offiziell mit holländischem Gras lindern darf.
Wie kam es, dass du heute einer von nur sehr wenigen Bundesbürgern bist, die Cannabis ganz legal als Medizin konsumieren dürfen? Bei mir ging das alles mit einer Polizeikontrolle los — am 2. Dezember 2006 um etwa 2 Uhr morgens. Ich war mit meinem Pizzawagen unterwegs nach Hause und völlig nüchtern, als ich in die Verkehrskontrolle geriet. Der männliche Beamte hatte eine junge, hübsche Blondine an seiner Seite und ich hatte das Gefühl, dass er versuchte, die Kollegin durch sein Gehabe zu beein­drucken oder ihr zumindest mal alle rechtlichen Möglichkeiten bei einer Verkehrskontrolle demonstrieren wollte. Vielleicht hatte er aber auch nur Langeweile als er mich fragte, ob ich Drogen kon­sumieren oder mitführen würde. Als ich verneinte, holte er kurz Luft, überlegte und meinte, dass ich dann ja sicherlich nichts gegen einen Drogentest einzuwenden hätte. Da hatte ich aller­dings was dagegen und schon ging's los: ich musste aussteigen, wurde durchsucht und man fand das halbe Gramm Haschisch, das ich in der Tasche hatte. Danach wollten sie eine Urinprobe von mir und als ich die verweigerte, musste ich eine Blutprobe abgeben. Da man nach einer Blutentnahme ja kein unmittelbares Ergebnis kriegt, konnten sie mir dann auch nicht unmittelbar meinen Führerschein abnehmen — doch ich wusste natürlich, was jetzt auf mich zukommen würde: die bayerische Führersch­einbehörde würde mir einen Brief schreiben und in Folge meinen Führerschein einziehen. Ich suchte daher nach einer Möglichkeit, dem Führerscheinverlust zu entgehen, da dieser auch mein beru­fliches Aus als Vielfahrer bedeutet hätte. Daher verlagerte ich als erstes meinen Wohnsitz offiziell nach Berlin und erteilte auch gleich einen Nachsendeauftrag, so dass auch meine Post an meine neue Meldeadresse ging. Und da Führerscheinangelegen­heiten ja als Verwaltungssachen gelten, werden sie immer dort geklärt, wo der Inhaber seinen Hauptwohnsitz angemeldet hat. Als dann von der bayerischen Führerscheinbehörde der erwartete Brief kam, der mich zur Abgabe meines Führerscheins bewegen sollte, antwortete ich nur knapp und förmlich, dass ich nicht mehr in Bayern wohnhaft sei und man die Angelegenheit doch an die Berliner Kollegen weiterleiten solle. Es dauerte keine drei Wochen bis ich Post von der Berliner Führerscheinstelle bekam und die Gelegenheit erhielt, „zu dem Vorwurf Stellung zu nehmen". Ich besuchte also die Berliner Behörde und wirkte dort wohl etwas nervös — jedenfalls weis ich noch ganz genau, wie die nette Beamtin gleich zu Beginn sagte: „Nun holen sie doch erst mal richtig Luft — wir sind hier ja nicht in Bayern." Diesen Satz werde ich wohl nie vergessen — in dem darauf folgenden Gespräch schüttete ich ihr mein Herz aus und erzählte auch von dem Unfall, den Schmerzen und dem erprobten, aber illegalen Schmerzmittel. Die Dame wollte mich dann auch gar nicht zum Idiotentest schic­ken, sondern bot mir ganz direkt an: „Suchen sie sich doch einen Facharzt, der mir per Gutachten bescheinigt, dass ihnen Cannabis bei ihrer Krankheit hilft." Da ich damals ja noch teilweise in Bayern lebte, ging ich hier zu einem lokalen Neurologen, der mir dann auch ein dreiseitiges Gutachten ausstellte — allerdings wollte er mich nur mit synthetischen Mitteln therapieren. Als erklärter Ver­treter der Standardmedizin wollte er, dass ich meinen Cannabis-konsum komplett einstelle, und zu herkömmlichen Schmerzmitteln zurückkehre — seiner Einschätzung nach hätte ich auch Opiate oder sonst was schlucken können. Er wollte dann mein Cannabis­verzicht ein Jahr lang durch Drogen-Screenings kontrollieren lassen — erst danach wäre die Gefahr des Führerscheinentzugs abgewandt. Das alles war für mich natürlich absolut unbefriedi­gend und so begann ich, mich über das Internet zu informieren, ob es nicht auch noch einen anderen Weg gibt — das war
die Zeit, in der ich erstmals vom Hanfmuseum erfuhr. Mein allererster Kontakt in die Szene war dann Rollo vom Hanfmuseum, er emp­fahl mich auch an die Grüne Hilfe und den IACM weiter und so wurde ich 2007 schließlich selbst Mitglied beim IACM und SCM. Schließlich habe ich meinen Hausarzt gewechselt — und das würde ich übrigens auch jedem empfehlen, der in einer ähnlichen Lage ist. Man darf sich bei seiner Suche nach einem aufgeschlos­senen Arzt einfach nicht entmutigen lassen und nötigenfalls auch die Ärzte wie Unterhosen wechseln — irgendwann findet man schon einen, denn es gibt sie ja. Ich habe ja auch einen gefun­den, genauso wie die derzeit mindestens 24 Patienten, die auch eine Ausnahmegenehmigung haben. Wie war das bei dir mit der Arztfindung — hattest du einfach nur Glück oder einen Tipp gekriegt? Das war pures Glück — ich kannte die Ärztin zwar schon flüchtig von früher, da sie die Praxis meines alten Hausarztes übernom­men hatte, aber ich hätte nie gedacht, dass sie dem Ganzen so positiv gegenüberstehen würde. Ich wollte einfach mal fragen und dann war es plötzlich nur eine Sache von wenigen Minuten und sie verschrieb mir zunächst Dronabinol. Das war für mich natür­lich noch nicht das Ende des Weges, denn natürlich konsumierte ich die Blüte auch nach wie vor noch, um meine Schmerzen zu lindern — dies wollte ich auch ganz legal tun dürfen. Insofern war für mich ein erklärtes Ziel, so eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen. Allerdings war da 2007 und 2008 noch nicht im Traum dran zu denken, weil der einzige bundesweit zuständige Sachbearbeiter, Herr Doktor Willhelm Schinkel — der diese Posi­tion über 15 Jahre innehatte — derartige Anträge ganz prinzipiell und oftmals mit der Begründung abgelehnt hat, es gäbe dafür kein öffentliches Interesse. Die Auflagen bei einer nur theoretisch zu kriegenden Ausnahmegenehmigung waren außerdem so hoch, dass sie praktisch niemand erfüllen konnte. Beispielsweise hätte der Antragsteller nachweisen müssen, dass er zur Aufbewahrung einen fest vermauerten Tresor mit einer Wandstärke von mindes­tens vierzig Zentimetern besaß. Es ist schon interessant, dass man starke Opiate kriegen und dann neben dem Zahnputzbecher liegen lassen kann — aber für Cannabis brauchst du einen fetten Tresor. Insofern war hier wirklich alles so angelegt, dass man praktisch keine Chance auf einen positiven Bescheid hatte. Erst als Schinkel Anfang 2009 von der ehemaligen Apothekerin Frau Unbehaun abgelöst wurde, änderte sich langsam die Lage und der Wind in der Behörde drehte sich — seit dem wurden mindes­tens 24 Ausnahmegenehmigungen erteilt. Wenn man sich jetzt mal anschaut, wie viele Schmerzpatienten es in Deutschland gibt und wie wenige bisher von dieser neuen Möglichkeit wissen, dann wird klar, dass dies erst der Anfang sein kann. Viele haben ja noch nicht mal was vom ACM oder IACM gehört. Welche Tipps hättest du für diese noch Ahnungslosen? Der Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung nach §9 BTMG steht und fällt mit dem jeweiligen Hausarzt. Denn entscheidend für einen positiven Bescheid von der Behörde ist der vorangegange­ne Bericht eines stinknormalen Hausarztes — nicht der eines Fachmediziners. Und jeder in Deutschland zugelassene Hausarzt kann so einen Bericht schreiben, ohne irgendetwas befürchten zu müssen — manchmal wissen das nicht einmal die Ärzte. Viele Ärzte sind Cannabis gegenüber auch sehr voreingenommen — über 60 Jahre Prohibitionspropaganda lassen sich eben nicht so einfach wieder wegwischen. Doch es gibt auch andere, und die gilt es zu finden — wenn man sich dabei nicht entmutigen lässt, dann wird man sein Ziel auch erreichen. Wie war das bei dir mit dem Wechsel von Dronabinol zu natürlichem Cannabis? Dronabinol hat bei mir nie so gut gewirkt wie die Blüte und war zudem extrem teuer. Für 10 Milliliter einer 2,5%igen Lösung Dronabinol musste ich 246 Euro zahlen. Wollte ich mich komplett mit Dronabinol therapieren, dann hätte ich monatliche Kosten von etwa 350 bis 400 Euro. Therapiere ich mich dagegen mit illegalen Hanfblüten zu einem Preis von 6 bis 7 Euro pro Gramm, dann komme ich auf monatlich unter hundert Euro. Dann ist es also tatsächlich so, dass die Krankenkassen die Kostenübernahme für Dronabinol in der Regel ablehnen? Richtig. Hast du zumindest mal probiert, die Kosten von der Kasse erstattet zu kriegen? Ja, ich hab dann auch einen Ablehnungsbescheid von meiner Krankenkasse gekriegt, den ich übrigens auch für meinen Antrag auf Ausnahmegenehmigung gebraucht habe. Ich glaube, heute ist das nicht mehr so, aber im letzten Jahr war ein Ablehnungsbe­scheid der zuständigen Krankenkasse noch wichtig für einen positiven Bescheid.
Wie würdest du die Wirkung von Dronabinol im Vergleich zu natürlichem Cannabis beschreiben'? Dronabinol hatte bei mir keinen spürbaren Effekt, obwohl ich die Dosis zum Schluss bis auf das 10fache erhöht hatte — damit bin ich übrigens kein Einzelfall. Nach der Inhalation von natürlichem Cannabis verspüre ich dagegen nach kurzer Zeit einen deutlichen, muskelentspannenden Effekt. Ich kann dann relativ schmerzfrei ein- und durchschlafen, wodurch meine Arbeitsfähigkeit am nächs­ten Tag wieder gewährleistet ist. Nehme ich dagegen Opiate oder andere herkömmliche Schmerzmittel, geht es wieder mit den bekannten Nebenwirkungen los — ich bekomme dann immer Magen-Darm-Probleme und schwitze viel. Aber das Schlimmste ist der unruhige Schlaf, der dazu führt, dass man immer ein mattes, matschiges Gefühl hat. Ich finde es daher wirklich nicht nachvoll­ziehbar, warum natürliches Cannabis als Medizin nur so schwer zu kriegen ist. Das müsste es in jeder Apotheke geben. Damit will ich aber nicht sagen, dass es ein Wundermittel oder für jeden geeig­net ist — aber es ist eine sinnvolle Option, von der noch viel zu wenige wissen, obwohl es auch ihnen helfen könnte. Übrigens genau wie Dronabinol, dass manchen Patienten auch besser bekommt, als andere Mittel oder natürliches Cannabis — Menschen sind nun mal verschieden und nur weil dem einen etwas gut tut, heißt das nicht, dass es auch dem anderen hilft. Hast du dann auch deiner Ärztin gegenüber so argumentiert? Ganz genau. Die meisten, die eine Ausnahmegenehmigung bean­tragen, haben ja bereits ihre Erfahrungen mit Cannabis gemacht und wissen daher, dass es ihnen besser hilft. Derartige Erfahrungen können zwar nur illegal gemacht werden, aber nichtsdestotrotz sind sie hier von Vorteil. Ich habe das meiner Ärztin jedenfalls ganz offen erklärt und bin auf ihr Verständnis gestoßen, nicht zuletzt, weil natürliches Cannabis auch deutlich kostengünstiger ist, als es synthetische Präparate hierzulande sein können. Nimmst du auch noch andere Schmerzmittel oder sind Canna­bisblüten alles, was du für eine erfolgreiche Schmerztherapie brauchst? Ich nehme nichts anderes und bin damit rundum zufrieden — ich hatte nur einmal heftige Zahnschmerzen und habe dagegen ein anderes Schmerzmittel gekriegt. Aber das ist dann auch schon die einzige Ausnahme. Ansonsten gehe ich ein bis zwei Mal im Jahr zu meiner Hausärztin, wo ein großes Blutbild erstellt wird. Ich habe inzwischen beste Blut- und Leberwerte und als ich das letzte Mal bei ihr war, hat sie mich doch tatsächlich gefragt, ob ich zwis­chenzeitlich das Rauchen aufgegeben hätte — meine Lunge würde sich so gut anhören. Und das, obwohl ich ja mit Tabak rauche, nach dem ich süchtig bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich weniger Zigaretten rauche, wenn ich gekifft habe. Zigaretten gibt's ja überall — wo aber kriegst du deine Medizin­alhanfblüten? Doch nicht aus der Apotheke, oder?

Doch, ganz genau. Die Dose kommt zwar aus Holland, doch ich hole sie mir letztlich in der Apotheke meines Vertrauens ab. Der Preis pro Gramm liegt dafür in Holland zwischen sechs und acht Euro und abhängig von dem in meinem Antrag angegebenen monatlichen Bedarf erhalte ich dann entsprechend viele hochpo­tente Cannabisblüten in kleinen weißen Dosen. Mein Bedarf ist verhältnismäßig gering — ich erhalte monatlich 5 Gramm auf diese Weise, auch wenn ich 6 beantragt hatte. Aber da so eine Dose immer fünf Gramm enthält, wurde in meinem Fall wohl abgerundet und eigentlich reicht das auch für meine Belange. Hergestellt werden die Blüten übrigens von der niederländischen Firma Bed­rocan, geliefert und nach Deutschland importiert werden sie von der belgischen Firma Fagron. Dabei verdoppelt sich der Preis auf dem Weg zur Apotheke und ich muss letztlich 72 Euro dafür zahlen. Beziehen darf ich die Dosen auch nur über eine vorab festgelegte Apotheke, die übrigens 75 Euro für die Beantragung der Weitergabe selbst zahlen muss. Man muss also nicht nur einen Arzt, sondern auch eine Apotheke finden, die mitspielt. Aber dafür ist dann auch alles genau in der Erlaubnis vermerkt — wenn ich also wieder mal in eine Polizeikontrolle geraten sollte, dann steht da auf meiner Hanfdose nicht nur mein behandelnder Arzt, sondern auch die Apotheke, von der ich die Blüten erhalten habe. So eine Dose hat auch eine sogenannte Chargennummer und ist damit eindeutig identifizierbar — alles ist zweifelsfrei zurückverfolgbar.

Allerdings finde ich den Preis von 72 Euro für 5 Gramm schon recht happig — da ist man ja auf dem Schwarzmarkt deutlich günstiger dabei...

Das ist nun mal leider so — und bei mir geht es ja noch. Ich habe einen relativ geringen Bedarf und kann mir die 72 Euro pro Monat leisten. Die meisten anderen Patienten haben nicht so großes Glück, denn sie haben einen höheren Bedarf und ein geringeres Einkommen bzw. eine geringe Rente, da sie aufgrund ihrer Krank­heit nicht mehr arbeitsfähig sind. Selbst wenn sie dann die Erlaubnis haben, können sie sich die legalen Blüten oft gar nicht leisten und müssen daher erneut auf dem Schwarzmarkt einkaufen. Insofern bin ich wirklich froh, das meine Schmerzen einerseits ausgereicht haben, um die Genehmigung zu bekommen, aber nicht so groß sind, dass ich einen Bedarf habe, den ich nicht finanzieren kann. Bei mir wurde ja auch schon mal Hepatitis C diagnostiziert und ich wurde ein paar Monate lang entsprechend behandelt — zu Arzneimittelkosten von ca. 3000 Euro pro Monat. Das hat die Krankenkasse damals anstandslos gezahlt — und es gibt ja noch viele deutlich teurere Medikamente.

Dagegen wäre Dronabinol ja ein echtes Schnäppchen — trotz­dem wird es von den Kassen nicht erstattet. Zudem würde die Kasse im Vergleich zu den Dronabinol-Kosten etwa drei viertel der Kosten durch die Verwendung von natürlichem Cannabis sparen — hast du schon mal versucht, die monatli­chen 72 Euro von deiner Krankenkasse zurückzubekommen? Nein, noch nicht — denn der nächste Schritt wird für mich sein, dass ich versuchen muss, der Behörde klarzumachen, dass die Preise überzogen sind und dass der Anbau unter denselben Bedingungen wie in Holland auch in den eigenen vier Wänden möglich ist. Ich will also eine Pflanze — nicht drei, nicht fünf, erst mal nur eine. Ich möchte eine Pflanze da anbauen dürfen, wo ich derzeit auch meine getrockneten Blüten aufbewahren darf: in mei­ner Wohnung. Die verschlossene Wohnungstür reicht mittlerweile aus, um die Medizin vor dem Zugriff Unbefugter zu sichern — das nennt sich „erschwerter Zugriff". Und wenn ich getrocknete Canna­bisblüten in meiner Wohnung haben darf, warum dann nicht auch lebende?

Das müsste den Krankenkassen doch gefallen, wenn die Patienten ihre eigene Medizin anbauen und damit so gut wie keine Kosten verursachen — siehst du da eine Chance, dass die Krankenkassen medizinisches Cannabis aus rein finan­ziellen Gründen unterstützen?

Ich fürchte nicht, denn auch die Krankenkassen kommen immer noch gerne mit den altbekannten Standardargumenten — Cannabis sei kein verkehrsfähiges Betäubungsmittel, die Gefahr ist zu groß, die Jugend muss geschützt werden, usw. Das sind in der Regel die Gegenargumente. Aber ganz grundsätzlich bin ich schon davon überzeugt, dass eine Legalisierung von Hanf als Medizin früher oder später kommen wird. Im Mutterland der Prohibition ist das ja auch schon geschehen und ganz unlängst sogar in Israel. Selbst unsere tschechischen Nachbarn haben uns in dieser Hinsicht bereits überholt und auch in Belgien wird es wohl bald soweit sein. Aber so wie wir Deutschen nun mal sind, werden wir b uns noch ein bisschen Zeit lassen, um dann im Länderspiegel wieder mal irgendwo im hinteren Mittelfeld zu liegen.

Wahrscheinlich wird es einfach noch so lange dauern, bis die deutsche Ärzteschaft - die heute ja vielfach noch so denkt wie Prof. Dr. Stein (siehe letzte Ausgabe der THCENE) - endlich aufgeklärt ist und damit beginnt, einer uralten Heilpflanze wieder mehr Beachtung zu schenken.

Die meisten deutschen Ärzte sind meiner Meinung nach einfach nur Hosenscheißer, die Angst davor haben, Ihren ach so guten Ruf zu ruinieren. Daher halten sie sich am liebsten an die allge­meine Meinung, welche ja nach wie vor von undifferenzierter Antidrogenpropaganda beherrscht wird. Ich unterstelle denen jetzt einfach mal, dass die durchaus um den medizinischen Nutzen dieser Pflanze wissen, dies aber aus Opportunismus lieber verschweigen.

Professor Dr. Stein war ja auch der Meinung, dass der medi­zinische Nutzen von Cannabis bei Multipler Sklerose eher im anekdotischen Bereich anzusiedeln sei — hast du dazu andere Informationen?

Ich kann dazu nur sagen, dass unter den 24 Leuten mit Ausnah­megenehmigung auch eine ganze Reihe von MS-Patienten sind — soweit ich weiss, ist Multiple Sklerose DIE Krankheit für so eine Ausnahmeregelung. Man hat mit MS die besten Aussichten auf einen positiven Bescheid.

Dr. Stein meinte auch, es wäre denkbar, dass die Pharma­industrie ganz bewusst gegen die Alternativmedizin Cannabis argumentiert, da man eine natürliche Pflanze nicht paten­trechtlich schützen und damit gewinnbringend ausschlachten kann — siehst du das ähnlich?

Ja, denn wenn nur die Hälfte der mit Cannabis therapierbaren Schmerzpatienten auf die natürliche Pflanze umschwenken würde, dann würden der geldgierigen Pharmamafia schlagartig 50 Pro­zent ihrer Kundschaft fehlen. Insofern wird die Pharmaindustrie sicherlich alles dafür tun, um das zu verhindern — denn auch im Bereich der Medizin geht es letztendlich vor allem ums Geld. Natürlich muss jeder — wie ich ja auch — selber schauen, wo er finanziell bleibt, aber was da in der Medizinbranche abgeht, dass ist echter Mafia-Stil. Insofern ist für mich die Pharmaindustrie genauso eine Verbrecherbande, wie z. B. auch die katholische Kirche eine kriminelle Organisation ist — es sind auf jeden Fall mafiöse Strukturen vorhanden, in der nur der maximierte Profit gilt. Da kann es meiner Meinung nach gar nicht gewollt sein, Menschen durch Medizin wirklich und dauerhaft gesund zu machen — denn hätten wir nur noch gesunde Menschen, dann könnte die Branche ja komplett einpacken. Natürlich wird es immer Leute geben, die krank werden und du darfst mich jetzt auch nicht falsch verstehen — ich bin zum Beispiel dem Chirurgen sehr dankbar, der mich nach meinem Autounfall wieder zusam­mengeflickt hat. Vor 100 Jahren oder auch noch vor 30 Jahren hätte ich derartige Verletzungen wohl kaum überlebt, insofern bin ich für den fortgeschrittenen Kenntnisstand der Schulmedizin wirklich sehr dankbar. Nichtsdestotrotz kann man meiner Meinung nach einen Großteil der zugelassenen chemischen Präparate getrost weglassen und auch öfter mal auf natürliche Alterna­tiven setzen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Das war natürlich schon was anderes als die „fachliche" Meinung von Prof. Dr. Stein. Allerdings auch nicht ganz so verwunderlich angesichts der Tatsache, dass hier ein ausgesprochener Hanffreund auch den medizinischen Nutzen der Pflanze entdeckt hat, die er zuvor auch schon aus nichf-medizinischen Gründen kon­sumierf haf.

In der nächsten Ausgabe schließen wir unsere Hanf-als-Medizin Triologie mit einem weiferen Interview ab — dieses Mal suchen wir uns einen zugelassenen und praktizierenden Mediziner, der dem Nafurheilmittel Hanf verhältnismäßig offen gegenübersteht...

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