Hanf Buds - gestreckt verdreckt und fast verreckt

Jul 17

Der Deutsche Hanf Verband verweist seit Jahren auf die Gefahren von gestrecktem Gras für Leib und Leben von geschätzten vier Millionen Kiffern alleine in Deutschland. Angefangen hatte alles mit meinem Artikel im Hanf Journal, als in Berlin auf einmal mit einer Art Talkum versetzes Gras aufgetaucht war. Von da an ging es munter weiter, seitdem haben Konsumenten schon die unglaub­lichsten Substanzen in ihrem Weed gefunden.

Die Erbswurst aus Mönchengladbach oder Salz im Gras aus Brandenburg sind noch die harmlosesten Meldungen, die uns in den vergangenen Jahren erreicht haben. Die Spitze des Eisbergs wurde dann in Leipzig vor drei Jahren sichtbar, wo es über 200 Bleivergiftungen gab, weil skrupellose Dealer das Weed mit Bleizucker gestreckt hatten. Bleizucker ist eine zuckerähnliche Substanz, die beim Verbrennen zu Blei rea­giert und so sehr effektiv in den Blutkreislauf gelangt. Damals wären zwei Betroffene fast gestorben, doch selbst die Bleivergiftungen hat die Bundesregierung in Person der Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans nicht zum Anlass genommen, Warnhinweise zu veröffentlichen oder gar ein "Hanfblüten-Checking" zu ermöglichen. Denis Magnani vom Deutschen Hanf Verband (DHV) beschäftigt sich seit über einem Jahr intensiv mit dem Thema Streckmittel in Cannabis. Er betreut unter anderem auch den Streckmittelmelder des DHV und hat so, anders als so mancher Politiker, einen direkten Draht zu den deutschsprachigen Kiffern. Der Streckmittelmelder sowie die Suche nach Betroffenenberichten im Internet haben Denis wider Willen zum Experten in Sachen gestrecktes Gras gemacht. Wievele Meldungen über Gift im Weed bekommst Du so pro Woche? Das dürften so im Schnitt etwa 15 bis 20 Meldungen sein. Wie fühlt es sich an, fast täglich neue Streckmittelmeldungen zu erhalten? Tja, schockierend und vor allem auch frustrierend, weil ich das Gefühl habe, dass sich die Situation eher immer weiter verschlechtert als verbessert. Das merke ich daran, weil in sehr vielen Streckmittelmeldungen in der letzten Zeit auch verstärkt davon berichtet wird, dass es in der entsprechenden Region kaum bis gar kein unge­strecktes Gras mehr zu kaufen gibt. Was ist die häufigste "Meldung? Eindeutig synthetische Streckmittel wie Brix oder auch "unbekannte Verunreinigungen", die auf so ein Zeug schließen lassen von der Beschreibung her. Brix ist ein chemisches Gemisch, das wohl hauptsächlich aus Zucker, Hormonen und flüssigem Plastik besteht und ausschließlich für das Strecken von Hanfblüten entwickelt und vertrieben wird. Wie soll sich jemand verhalten, der glaubt, gestrecktes Gras gekauft zu haben? Auf keinen Fall das Zeug konsumieren, da das ggf. schwere gesundheitliche Folgen haben kann. Entweder beim Dealer reklamieren oder falls das nicht möglich sein sollte, das Zeug entsorgen und den Dealer künftig komplett boykottieren. Den Streck­mittelmelder nutzen und Freunde mit gleicher Bezugsquelle vorwarnen wäre dann auch sinnvoll. Kennst Du das Problem auch aus anderen Ländern? Wir bekommen auch häufiger Meldungen aus Osterreich und den Niederlanden (ja, auch Coffeeshopgras kann gestreckt sein!), selten auch mal aus der Schweiz. In England ist mal eine Zeit lang vermehrt mit Glassplittern gestrecktes Gras aufgetaucht, ansonsten habe ich auch schon von derart verunreinigtem Gras aus Frankreich, Belgien oder auch Italien gehört, wo vor einigen Jahren Zollbeamte über 200kg "Glasgras" aus dem Verkehr gezogen haben. Ich bin zwar jetzt nicht so der Experte, was gestrecktes Gras aus anderen Ländern angeht, da ich mich hauptsächlich auf Deutschland beschränke, ich kann aber mit Sicherheit sagen, dass es kein auss­chließlich auf Deutschland beschränktes Problem ist. Kannst du einige Streckmittel erkennen? Wenn ja, welche und wie? Hm, da sich heute kaum noch jemand am Gewürzregal oder der Buddelkiste bedient, sondern eher zu synthetischen Streckmitteln wie Brix oder dem Phosphor-Kalium-Dünger PK 13-14 greift, ist die Sache recht schwierig geworden. Da merken dann oft nur noch sehr erfahrene Konsumenten, dass etwas mit dem Gras nicht stimmt. Eindeutig sagen, was genau alles für Fremdstoffe drin sind, kann mangels legaler, eindeutiger Testmöglichkeiten allerdings niemand. Mit synthetischen Streckmitteln bearbeitetes Gras brennt wohl meist schlecht oder — je nach Rezeptur — sogar schne­ller ab als normal, Konsumenten beschreiben es, als ob man die Lunte eines China-Böllers anzündet oder der Bud von alleine durchglüht wie Shisha-Kohle und ein ekliger, chemischer Gestank beim Verbrennen entsteht. Meist ist dann die Asche auch schwarz, fest und wird beim Zerdrücken schmierig/ölig. Habe aber auch schon von Fällen
gehört, wo die Asche nicht schmierte, es sich aber trotzdem um ein wahrscheinlich hochgiftiges synthetisches Streckmittel handelte, da es alle anderen Eigenschaften dafür erfüllte. Der Dünger PK 13-14 wird auf dem Gras durch übertrie­benes Glitzern im Licht am häufigsten beschrieben, wobei dies für Laien auch nicht so einfach von Harzdrüsen zu unterscheiden sein dürfte. Gras mit derartigen "Symptomen" ist in letzter Zeit jedenfalls häufiger im Streckmittelmelder aufgetaucht. Das glücklicherweise nur sehr selten auftretende Blei kann sich Betroffenen angeblich durch graue Striche auf einem Blatt Papier bemerkbar machen, wenn man etwas Gras darauf zerreibt.
Hmm, das klingt zwar logisch, aber nicht besonders wissenschaftlich? Tja, für mehr müsste halt die Politik mal ihre ignorante Haltung ändern und den Konsumenten die Möglichkeit geben, ohne Angst vor Strafverfolgung ihr Gras selbst anzubauen oder wenigstens aussagekräftig testen zu lassen. Zwar bietet z.B. eine Apotheke im rheinischen Versen diesen Service für 20,- € schon heute an, indem man einfach ein "unbekanntes Pflanzenmaterial" zum Testen dort hinschicken kann, nur klappt das wohl auch nur, wenn man bereits einen konkreten Verdacht hat, um welches Streckmittel es sich handeln könnte. Dazu ist das Versenden einer Probe nach momentaner Rechtslage bereits ein Verstoß gegen das BtmG und kann even­tuell entsprechend geahndet werden, weshalb ich es eigentlich auch niemandem empfehlen kann. Hier ist jetzt die Politik am Zug! Stimmt, mehr geht halt nicht, wenn die Politik nicht mitspielt. Apropos Politik. Was sagt eigentlich die Drogenbeauftragte Frau Dyckmans, die ja für dieses Thema eigentlich zuständig ist, dazu? Du, das ist so peinlich und empörend, dass man es garnicht laut sagen möchte. Der DHV hat Frau Dyckmans auf das Problem mit dem immer massiver auftreten­den gestreckten Gras aufmerksam gemacht und sie um eine Lösung des Problems gebeten. Ihre Antwort dazu lautete, dass ihr bis auf unsere angeblich "wenig kon­kreten" Angaben keine Meldungen zu gestrecktem Gras vorliegen. Was jetzt "wenig konkret" an über 800 Meldungen, in denen Konsumenten ausführlich über ihre gesundheitlichen Probleme und darüber, dass es kaum noch sauberes Gras gibt, berichten, weiss wohl nur Frau Dyckmans. Desweiteren hat sie, wie übrigens schon ihre Vorgängerin Frau Bätzing, erklärt, dass sie Qualitätskontrollen als Förderung des Konsums illegaler Substanzen ansieht und deshalb ablehnt. Ihrer Meinung nach bietet nur Abstinenz sicheren Schutz. Ungefähr, als hätte ein Politiker damals beim Gammelfleischskandal gesagt: "Hey, dann werdet halt Vegetarier!" Du meintest, das gestreckte Gras sei in ganz Europa unterwegs. Gibt es anderswo positive Beispiele, bei denen die Verantwortlichen echten Konsu­mentenschutz betreiben? Ich würde sagen Belgien und Spanien mit ihren Cannabis Social Clubs oder die Niederlande, die den privaten Anbau von bis zu fünf Hanfpflanzen erlaubt und damit dem Konsumenten die legale Möglichkeit gibt, selbst für saubere Ware zu sorgen. Auch in der Schweiz werden meines Wissens nach ein paar Pflanzen für den priva­ten Gebrauch geduldet. Das britische und luxemburgische Gesundheitsministerium hat damals, als das Glasgras auftauchte, offizielle Warnungen herausgegeben. Das allein würde ich zwar noch nicht als "echten" Konsumentenschutz beschreiben, aber es ist schonmal ein Schritt in die richtige Richtung. Das Ekelhafteste war ja wohl die Bleisache. Gibt es da neuere Meldungen? Wir erhalten zwar ab und zu noch Meldungen, wo angeblich Blei indentifiziert wurde, einige davon klagen auch recht plausibel. Das Problem ist nur, dass die Leute uns entweder keine Emailadresse hinterlassen, damit wir nachhaken können oder einfach keine Reaktion auf weitere Nachfragen kommt. Der DHV wird dem­nächst nochmal sicherheitshalber eine Warnung rausgeben und meines Wissens nach ist DHV-Sprecher Georg Wurth auch gerade an einem aktuellen Fall dran, wo Blei im Spiel gewesen sein könnte. Hat sich die Art und Weise, wie gestreckt wird, seit den Anfängen der Pan­scherei geändert? Ja, definitiv. Als das um 2006 rum anfing, waren es meist noch Sand, Küchen­kräuter oder Talkum bzw. Speckstein, heute hauptsächlich diese synthetischen Streckmittel, deren ganz genaue Zusammensetzung vielleicht höchstens die Giftmischer selbst wissen und die Folgen von gegebenenfalls jahrelangem Konsum absolut niemand abschätzen kann. Ansonsten gibt es halt noch mit Düngerflüssig­keit wie PK13-14 beschwertes Gras oder im schlimmsten und glücklicherweise auch seltensten Fall hochgiftige Schwermetalle wie Blei. Gibt es "gesunde" oder "ungesunde" Streckmittel?

Naja, sofern man im Zusammenhang mit Rauchen oder Streckmitteln überhaupt von "gesund" sprechen kann, würde ich sagen, dass Wasser, strecktypische Küchenkräuter oder auch Knippreste keine schädlicheren Folgen haben. Wasser dürfte höchstens dazu führen, dass das Weed etwas schlechter brennt und z. B. Ore­gano oder zerkleinerte Hanfblätter sind meines Wissens nach auch nicht schädlicher, als das Rauchen von Pflanzenmaterial ohnehin schon ist. Sie haben halt nur nicht die gewünschte Wirkung, für die der Kunde eigentlich bezahlt hat. Alle anderen Streckmittel würde ich aber als zusätzliche oder gar schwerste Gesundheitsgefährd­ung neben dem Rauchen ansich ansehen.

Wie schätzt du das Ausmaß der Panscherei ein? Gibt es lokale Unterschiede?

Ich schätze mal, dass inzwischen etwa 85% der kommerziellen Hanfprodukte in Deutschland verunreinigt sind. Das deckt sich auch mit diversen Berichten aus dem Streckmittelmelder. Lokale Unterschiede kann ich bisher nicht großartig feststellen. Die Meldungen kommen zwar vermehrt aus NRW und Bayern, das dürfte aber damit zusammenhängen, dass diese beiden Bundesländer die meisten Einwohner und damit wahrscheinlich auch dle meisten Konsumenten haben.

Was können die Konsumenten tun, damit das besser wird oder ganz aufhört?

Zunächst mal von door häufig vertretenen Einstellung loskommen, dass das Gestrecke ja inzwischen "normal" und sicher "nicht so schlimm" sei. Sie sollten den Dealern das gestreckte Zeug vor die Füße kippen, anstatt es fröhlich zu Rauchen und auch noch Nachschub davon zu besorgen. Solange die Panscher damit Geld verdienen, werden sie bis zur Legalisierung damit nicht aufhören, womit wir auch schon beim nächsten Punkt waren, was ein Konsument dagegen tun kann: Die Legallsierungsarbeit des DHV unterstützen, Frau Dyckmans auf abgeordneten-watch.de mit Beschwerden zubomben und zahlreich die beiden Hanfdemos im Jahr besuchen, um fur unser Recht auf saubere Ware zu demonstrieren, denn nur wer seinen Mund aufmacht, kann auch gehört werden. In diesem Sinne, bis zum 07.08.10 um 13:00 Uhr am Fernsehturm bei der diesjährigen Hanfparade!

Das bisher ungewöhnlichste Streckmittel war?

Hmmm, Geld? Forenaussagen zufolge ist wohl jemandem mal aus einem dicken Bud ein reingedrücktes Geldstück entgegengeklimpert, da hatte ich aber auch richtig schon blöd geguckt.

Bei den Bleivergiftungen waren die Symptome ja eindeutig, nachdem man wusste, worum es sich handelt. Klagen die Leute, die sich am Streckmittelmelder beteiligen, auch über körperliche Beschwerden nach dem Rauchen, die normalerweise nicht auftreten, wenn sie eine normal dosierte Tüte rauchen?

Klar, fast immer. Meist wird von unnormal starkem Husten geredet, Übelkeit, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Herzrasen, Schwindel und Halsschmerzen. Ebenfalls wild häufiger von Gleichgewichtsstörungen oder Zittern berichtet und teil­weise 1..1 hr ri diesen synthetischen Streckmitteln auch von allergischen Reaktionen gelegentlich die Rede.

Wie reagieren die Ärzte, wenn ein/e Betroffener wg. gestrecktem Weed in Behandlung begibt? Kennst Du Falle?

Persönlich kenne ich niemanden, der sich deshalb in ärztliche Behandlung begeben musste. Ich hörte aber schon öfters von Fällen, wo die Patienten, nachdem sie von ihrem Cannabiskonsum berichteten, nicht ernst genommen oder mit den Worten "selbst schuld" abgespeist wurden. Bei einem Fan von Bleivergiftung, wo der Patient wohl lange Zeit auf sehr teure Medikamente angewiesen ist, sagte wohl angeblich der Arzt, dass er ja schließlich auch das Geld für's Kiffen gehabt habe. Ich würde in solchen Fällen jedem raten, sofort den Arzt zu wechseln, da dies keine Basis für ein vertrauensvolles Arzt/Patientenverhältnis sein kann.

Was müsste passieren, um dem Problem Herr zu werden?

Entweder durch die Legalisierung und damit verbundene staatliche Kontrolle der Hanfprodukte, so wiu bei Alkohol und Tabak, oder wenigstens die Abschaffung der Strafverfolgung für Selbstversorger. Andere Möglichkeiten sehe ich da ehrlich gesagt nicht Darauf, dass die Streckerbanden plötzlich ein Gewissen bekommen, braucht man wohl nicht hoffen,

Wirklich Schlimm. Nocheinmal Respekt für Dein persönliches Engagement im Sinne der illegaliserten Hanfkonsument/inn/en, die sich selbst schlecht

wehren können und viel Dank für das äußert informative Gespräch

Weiteren Informationen: DHV Streckmittelmelder http://hanfverband.de/streckmittel/

Informationen über Streckmittel und Verunreinigungen: http://hanfverband.de/streckmittel/information.html

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