Hanf homegrowing - Ein guter Anfang ist schon die halbe Miete

Jul 17

Oft werden die Träume der Grower von Top-Ernten nicht erfüllt und meist werden eher kleinere Mengen Gras geerntet, als erwartet. Nun kann man sich fragen, was überhaupt eine Top-Ernte ist. Meine persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass ein Gramm Ertrag pro Watt Lichtleistung eine Top-Erntemenge darstellt.

Die Basis einer guten Ernte bildet einwand­freies Pflanzenmaterial in der Anfangsphase der Zucht. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Sämlinge oder Stecklinge handelt. Je besser und stärker die Jungpflanzen sind, de­sto besser ist auch das Resultat, gemessen an Erntemenge und Qualität. Zeigen sich schon in diesem frühen Wachstumsstadium Pro­bleme an den Pflanzen, kann man mit Sicher­heit keine optimale, sprich Top-Ernte mehr er­warten. Top-Ernten sind nur dann zu erzielen, wenn alle Parameter über den gesamten Zy­klus hinweg stimmen und keine anderen Pro­bleme auftauchen. Die Arbeit mit Sämlingen kann im frühen Stadium Probleme bereiten, aber auch Stecklinge sind nicht immer pflegeleicht in der Handha­bung. Der große Unterschied zwischen bei­den liegt darin, dass man mit den Sämlingen von Anfang an alles in der eigenen Hand hat, während man bei gekauften Stecklingen ab­hängig davon ist, was der Markt gerade lie­fert. Leider ist die Qualität der Stecklings-ware sehr schlecht. Ich wage zu behaupten, dass heutzutage die Hälfte aller in den Nie­derlanden angebotenen Stecklinge qualita­tiv minderwertig ist. Da sind Probleme schon vorprogrammiert. Solche Stecklinge sind oft von Wurzelfäulnis, Spinnmilben, Thripse und oder Mehltau befallen. Sehr oft ist auch der Transportweg im Haupttrieb des Steck­lings »verstopft«, er konnte nicht schnell ge­nug Wurzeln bilden, was wiederum Wurzelfäulnis zur Folge hat. Dies lässt sich in einer späteren Wachstumsphase sehr gut an einer Verdickung des Triebes oberhalb des Medi­ums erkennen. Solche Pflanzen werden auch mit Sicherheit keinen schönen dicken Stamm bilden. Samen keimen lassen und zu schö­nen, gesunden Pflänzchen heranzuziehen, ist selbst für erfahrene Grower nicht immer ein­fach. Hier in den Niederlanden herrscht nun einmal eine »Stecklings-Kultur«!

Wer bei uns nicht auf gekaufte Stecklinge verzichten möchte, sollte ein paar Dinge be­achten: Der Stecklingslieferant muss ver­trauenswürdig sein. Nicht, dass die meist überteuerten Stecklinge irgendwo in einer Tiefgarage übergeben werden, ohne vor Ort prüfen zu können, welche Qualität die Ware hat. Meistens besteht erst zu Hause die Mög­lichkeit, die Pflanzen zu kontrollieren. Zudem ist man auf das Sortenangebot angewiesen, das der Markt gerade zu bieten hat. Aber des­halb sollte man nicht weniger kritisch sein. Der Käufer sollte darauf bestehen, dass er die Stecklinge vor dem Kauf genau ansehen dar und prüfen, ob es sich um die gewünschte Sorte handelt. ist die Kohle einmal weg, lässt sich im Nachhinein nur selten verhandeln. Und wenn die Stecklinge erst mal zu Hause sind, kann man eh nicht mehr beweisen, dass fehlerhafte Stecklinge geliefert wurden, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Es ist eben­falls ganz wichtig, darauf zu achten, ob die Stecklinge gut durchwurzelt sind. Eine schö­ne, weiße Wurzelmasse spricht für sich. Je jünger und frischer die Stecklinge aussehen, desto besser. Lange Stecklinge mit hölzernen Stängeln leiden öfter an Wurzelfäulnis, als junge, kleine Stecklinge. Stecklinge, die tage­lang im Dunkeln und in kalten Räumen stan­den, brauchen in der Regel eine Woche Zeit, um wieder »in die Gänge« zu kommen. Sehen sie dann nicht gut aus, sollte man sich nicht scheuen, einen Steckling herauszuziehen und ihn mit einem scharfen Messer oberhalb der Wurzeln schräg abzuschneiden. ist dabei in der Nahrungstransportbahn ein brauner Ring am Rand sichtbar, deutet dies auf Wur­zelfäulnis hin. In diesem Fall ist keine gute Ernte mehr zu erwarten. Eine einfache Lupe erleichtert die Kontrolle, denn die braunen Ringe sind ohne gutes Licht nicht einfach zu erkennen. Cannabis-Stecklinge, die nach 7-8 Tagen nicht gewurzelt haben, leiden mit ho­her Wahrscheinlichkeit an Wurzelfäulnis, wie wir bei Versuchen im Labor festgestellt ha­ben. Auch hier gilt die Regel: Besser ein paar »Centjes« mehr bezahlen, und dafür eine bes­sere Qualität erhalten.

Mit Samen zu arbeiten, findet in den Nieder­landen erst seit den letzten Jahren vermehrt statt, und es gibt noch genug Grower, die bis heute nicht eine einzige männliche Pflanze in ihrem Growraum gehabt haben. Schlimmer noch, viele Grower wissen nicht, wie man ei­nen Samen zum Keimen bringt und wie dann daraus ein gesunder Keimling wächst. Der ge­sunde Keim darf mit nichts in Berührung kommen, das der Entwicklung schadet. Das glei­che gilt, wenn es zum Umtopfen kommt. Das neue Medium sollte keinen Wachstumsstopp, sondern eine Wachstumssteigerung nach sich ziehen. Der Anfang eines Zyklus muss stim­men und gerade die erste Woche bereitet die Basis für die Ernte. Mit Samen zu arbei­ten, gestaltet sich etwas anspruchsvoller als mit Stecklingen. Hat man jedoch einen »grü­nen Daumen« kann man einen höheren Ern­teertrag mit Samenpflanzen erzielen, als mit Stecklingen. Kauft man eine größere Menge Samen ein, dürfte sich das, prozentual im Ver­gleich mit den Kosten für die Anschaffung von Stecklingen, rechnen. Selbst dann, wenn nur 50-6o Prozent der Samen letztendlich weib­lichen Geschlechts sind.

Jetzt ist es Hochsommer und die Outdoor-Pflanzen wachsen wie die Brennnesseln. Es ist sogar noch nicht zu spät, Samen ins Frei­land zu sähen oder Stecklinge zu pflanzen. Die Pflanzen werden dann zwar nicht mehr so hoch und breit wachsen, können aber im­mer noch schöne Blüten liefern, wenn sie ge­nügend Sonnenlicht erhalten. Es gibt Hobbygärtner, die ihre Pflanzen in große Töpfe setzen und je nach Wetterlage deren Stand­ort wechseln. So können sie vor Starkregen und im Herbst vor Dauerregen und zu kalten Nächten geschützt werden. Eine Plastikfolie als Schutzabdeckung zu verwenden, ist eben­falls möglich, doch hat es sich gezeigt, dass es einer stabilen Konstruktion bedarf, um hef­tigen Herbststürmen standzuhalten. Jetzt im Hochsommer sollten die Pflanzen, die schon im Frühjahr gepflanzt wurden und groß ge­wachsen sind, eine extra Portion Dünger ver­tragen können. Sie erhalten ein paar Wochen lang Phosphor und Magnesium, wie es zum Beispiel in Guano-Präparaten vorhanden ist. Die Pflanzen werden es mit üppiger Blütenbil­dung danken. Eine Portion Extra-Kalium auf organischer Basis findet sich in Melasse. Me­lasse ist ein »Abfallprodukt« bei der Zuckerge­winnung aus Zuckerrüben. So lebensnotwen­dig die benötigten Nährstoffe für die Pflanzen auch sind: Nur die richtige Dosis führt zum Er­folg, denn zu viele Nährstoffe schaden eben­so, wie zu wenig davon. Sobald sich die er­sten Blüten bilden, wird jede Pflanze mit einer Stützhilfe, z. B. einem Bambusstab, versehen und an zwei Punkten gut festgebunden. Die Spitze des Haupttriebs braucht nicht fixiert zu werden und ist in der Regel flexibel und stark genug, um nicht abzuknicken. Cannabispflan­zen aus Samen gezogen verfügen über eine stabile Pfahlwurzel und stehen im Vergleich zu Stecklingspflanzen stärker verankert im Boden.

Ein öfter vorkommendes Ereignis bei Indoor-Pflanzen ist die zweite oder sogar dritte In­ternodien-Blüte. Einige extrem sativalastige Cannabissorten zeigen diese Symptome im­mer wieder. Viele Grower sind dann verwirrt und verstehen nicht, was da passiert. Ich er­kläre es folgendermaßen:

Wenn sich bei Indoor-Pflanzen in der sechsten oder siebten Blütewoche deutliche neue Blü­tenstände bilden, die über die fast reifen Blü­ten wachsen, darf man sich eigentlich freu­en, denn nur gesunde Pflanzen sind hierzu überhaupt in der Lage. Wie dieses Phänomen entsteht, werde ich anhand einer weiblichen Pflanze in der freien Natur erklären. Es begin­nt im Frühjahr mit der ständig zunehmenden Lichtdauer. Dadurch bildet die Pflanze Wachs­tumshormone und diese lassen sie wachsen. Ab dem Zeitpunkt, wenn die Tage wieder kür­zer werden, produzieren die Pflanzen auto­matisch Blütehormone, die zur Blütenbildung anregen. Wenn die Pflanzen dann nach einer bis sechs Wochen noch nicht befruchtet wur­den, entspricht das nicht ihrer eigentlichen Bestimmung, die da lautet, Nachfahren zu produzieren. Mit den abfallenden Bodentem­peraturen und dem ständig sinkenden Son­nenstand mit mehr roten Lichtanteilen merkt die Pflanze, dass es zu spät für eine Samenbil­dung ist und bildet deshalb auch keine neu­en Blütehormone mehr aus. Im Indoor-Garten sieht die Situation ganz anders aus. Die Pflan­zen werden ungeachtet ihres Wachstumssta­diums von einem auf den anderen Moment auf zwölf Stunden Licht (bzw.12 Stunden Dunkel­heit) gesetzt. So sind die Pflanzen gezwun­gen, spontan Blütehormone zu bilden. Nach sechs bis sieben Wochen Blütezeit zeigt sich dann bei gesunden Pflanzen oft das seltsame Phänomen der Internodien-Blüte. Dadurch, dass die Lichtdauer weiterhin nicht abnimmt, wie draußen in der Natur, und die Pflanzen zu­dem immer noch mit Nährstoffen und Wärme versorgt werden, sehen sie ihre Chance, doch noch Samen produzieren zu können und bil­den erneut Blütehormone in der Hoffnung auf Befruchtung. So wachsen erneut frische Blü­tenstände aus den Spitzen.

Das ist ein gutes Zeichen für den gesund­heitlichen Zustand der Pflanzen, denn eine schwache Pflanze wäre nicht mehr in der Lage, genügend Kraft zu entwickeln, um er­neut Blütenstände zu bilden.

Bei Sorten wie z. B. der Mexican Haze können vier oder fünf Internodien-Blüten eintreten, wenn sie sechzehn bis achtzehn Wochen lang blühen (so viel Zeit brauchen manche Sorten auch, um den optimalen Reifezustand zu er­reichen). Dann sollte in mehreren Etappen abgeerntet werden. Durch eine weitere Inter­nodien-Blüte ist es nicht immer einfach, den optimalen Erntezeitpunkt zu bestimmen. In der Regel sind die Pflanzen nach etwa neun Wochen Blüte erntereif und es bringt oft nur wenig mehr Ertrag, eine weitere Internodien-Blüte abzuwarten, denn Zeit ist bekanntlich Geld. Meist lohnt es sich, früher zu ernten und einen neuen Zyklus zu starten.

Seitdem ich mich mit der Aufzucht von Pflan­zen beschäftige, habe ich viele unterschied­liche Meinungen gehört, was denn entschei­dend für ein gutes Zuchtergebnis sei. Manche Grower machen daraus eine komplizierte Wis­senschaft, aber ich glaube, dass neunzig Pro­zent einer erfolgreichen Ernte vom Anfang abhängt. Wenn die Basis stimmt, sprich ge­sundes, kräftiges Pflanzenmaterial zu Verfü­gung steht, kann man mehr ernten.

Ein Teil der Nahrungs- und Zusatz-Produkte, die im Growsektor verkauft werden, haben nur einen fragwürdigen Nutzen und werden für teures Geld an den Mann gebracht. Es gibt aber auch viele Shops, die mit »Know-how« beraten. Abgesehen davon tauchen im Inter­net immer mehr Online-Growshops auf. Der Vorteil bei einem Online-Shop ist natürlich, dass man ruhig darüber nachdenken kann, bevor man etwas bestellt. Viele Online-Shops bieten interessante Informationen. Heutzuta­ge ist das Grow-Equipment preisgünstig ge­worden, ein Preisvergleich kann sich lohnen. Die meisten Online-Shops bieten zudem eine Kontaktmöglichkeit via E-Mail. Davon Ge­brauch zu machen, gibt meist schon den er­sten persönlichen Eindruck.

Wer Pflanzen anbauen möchte, sollte sich zu­erst einen genauen Plan machen, bevor auch nur ein Cent investiert wird. Sicherheit und Ehrlichkeit gehören an die erste Stelle (z. B. illegal Strom abzuzapfen geht gar nicht und kann viel Ärger und hohe Kosten nach sich ziehen — ein no go!).

Es ist sinnvoll, eine detaillierte Liste mit den Sachen zusammenstellen, die gebraucht wer­den. Was ist der Grund für den Entschluss? Welche Räumlichkeit steht zur Verfügung? Wie viel Geld kann oder möchte man inve­stieren? Wie hoch wird voraussichtlich der Stromverbrauch ausfallen? Welches Substrat soll verwendet werden, organisch oder Hydro? Gibt es ausreichend Frischluftzufuhr im geplanten Grow-Raum? Will man lieber mit Samen oder Stecklingen arbei­ten? Welche Anschaffung hat Priorität? Welche Person hilft bei Fragen oder Problemen? Wenn man nicht von Haus aus über ei­nen „grünen Daumen" verfügt und sich ohne Basiskenntnisse daran macht, wird man sicherlich einiges Lehrgeld zahlen müssen. Dies kann man sich besser spa­ren, indem man sich vorher das nötige Grundwissen aneignet. Es gibt viele Bücher oder andere In­fos zu diesem Thema.

Schnell reich werden ist nicht drin, wenn man über keinerlei Begabung und Erfahrung verfügt ... und sei es nur das eigene Gras zur Selbstversorgung, das nicht von allein wächst und gedeiht.

Die erste Anschaffung, neben der Raumaus­stattung, ist für mich eindeutig ein pH-Mess­gerät, ein unbedingtes MUSS! Das betone ich immer wieder.

Die 3 goldenen Regeln lauten: Messen ist Wissen, Licht ist Gewicht und zuviel des Gu­ten schadet!

Wenn man sich endgültig für ein bestimmtes System entschieden hat, dann kann man dies nach und nach optimieren, denn auch Übung macht den Meister. Regelmäßige Pflege und Aufmerksamkeit wird dann auch sicher mit schönen Hanfblüten belohnt werden.

Für viele Anfänger stellt das Finden des rich­tigen Zeitpunktes und der benötigten Wasser­menge einen Unsicherheitsfaktor dar. Zu we­nig Wasser zu geben, hemmt die Entwicklung der Pflanzen, zuviel Nährlösung erzeugt hin­gegen noch viel größere Probleme.

Es gibt zwar günstige Feuchtigkeitsmessge­räte, die aber leider alle nichts taugen. Bei zehn verschiedenen Messgeräten war das Re­sultat jedes Mal ein anderes.

Diese Hobby-Messgeräte sind nach zwei bis drei Monaten defekt, wenn sie nicht nach je­der Benutzung gründlich gereinigt werden. Wenn man Erde als Medium verwendet und die Pflanzen optimal mit Wasser versorgen und auch 1:1 züchten möchte (1 Gramm per Watt) sollte man sich ein Tensiometer an­schaffen. Das ist nicht teuer, langlebig und leistet zuverlässig gute Dienste. So lässt sich genau erkennen, wann und wie viel Wasser die Pflanze braucht.

Ich drücke allen die Daumen, dass ihre Out­doorpflanzen nicht durch Unwetter Schaden nehmen. Laut Piet Paulesma, dem »Wetter-Guru«, bekommen wir aber einen bomba­stischen Sommer.

So sollte es ja auch sein und ich glaube ihm gerne.

Stay cool, High and Take Time to Fly. Spees Cees

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