Hanf - Diesel in der Growbox

Jul 17

Seit einigen Jahren erfreuen sich die leicht auf- und wieder abbaubaren Grow-Zelte im In­doorbereich ständig steigender Beliebtheit. Ob HomeBox von Eastside Impact, die Grow-box aus Frankfurt, Dark Room von Secret Jardin, die Greenbud-Box oder andere, die Aus­wahl der Anbieter wird immer größer. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Modelle dieser praktischen Schränke, angefangen von einem kleinen Stecklingsschrank bis hin zu einem Growraum von der Größe eines großen Zimmers.

Wir haben ein Date in der Schweiz und wol­len einen Indoorgrower treffen, der mit solch einer Box arbeitet. Es ist Sonntag, der 1. Au­gust, der National-Feiertag in der Schweiz, in der Ferne hört man noch die letzten Knaller, die vom Abend zuvor übrig geblieben sind. Am Nationalfeiertag wird mehr Feuerwerk in die Luft geblasen als an Sylvester! Draußen herrscht bombastisches Sommerwetter, es ist über 3o Grad heiß. Zusammen mit unserem französischen Dolmetscher sind wir auf dem Weg zu La Taupe (franz. für: der Maulwurf). Wir halten an einem Marktplatz, parken das Auto und laufen um die Ecke, wo La Taupe, zu­sammen mit seiner Freundin, im ersten oder zweiten Stock eines Mietshauses wohnt.

Es sind einige Freunde zu Besuch und es herrscht eine fröhliche Atmosphäre, als wir das Wohnzimmer betreten. Ein großer Bild­schirm überträgt gerade die Leichtathletik EM. Wegen der Hitze stehen die Fenster weit offen. Wir werden freundlich willkommen ge­heißen und bekommen sogleich ein Glas eis­kalten Champagner serviert. Nicht schlecht — was für ein angenehmer Luxus! Nach ein paar Minuten steht La Taupe auf und zeigt uns den Raum, in dem seine Growbox steht. Es ist noch heißer im Raum, aber das ist auch kein Wun­der, angesichts der brennenden Lampen und der extremen Außentemperaturen. So halten wir es nicht allzu lange darin aus, schießen einige Fotos und machen das Interview lieber im Nebenzimmer.

grow! La Taupe, wann und wie kamst du zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung?

La Taupe: Damals ging ich noch zur Schule. Je­mand hatte einen Joint dabei und ich bekam ihn auch angeboten. Es war ein spannendes Erlebnis ...

grow! Hast du beim ersten Mal sofort eine Wirkung gespürt?

La Taupe: Nein, beim ersten Mal habe ich nicht viel von der Wirkung des Joints gemerkt. Danach habe ich zwei oder drei weitere Male Cannabis geraucht und immer nur wenig am Joint gezogen. Ich habe mich da nicht getraut, den Rauch tief zu inhalieren. Dann traf ich jemanden, der besonders gute Qualität am Start hatte. Ich zog zum ersten Mal heftig am Joint und plötzlich war ich sehr breit ... (er gr­inst dabei über beide Ohren). Seitdem konsu­miere ich regelmäßig Cannabis.

grow! Hast du damals Gras oder Haschisch geraucht?

La Taupe: Zu dieser Zeit wurde in meinem Um­feld Haschisch geraucht. Gutes Gras war nicht verbreitet.

grow! Wie kamst du dann dazu, einen Indoorgarten anzulegen?

La Taupe: Das hatte zwei Gründe. Zum einen möchte ich nicht vom Schwarzmarkt abhängig sein. Da weiß man nie genau, welche Quali­tät man bekommt oder wie das Gras behan­delt wurde. Zum zweiten bessere ich damit mein Einkommen auf. Ich habe zwar einen Ar­beitsplatz und arbeite körperlich hart. Leider ist der Job nicht gut bezahlt. Das Leben in der Schweiz ist nicht billig, und wer nicht am Exi­stenzminimum leben möchte, braucht schon ein paar Extra-Fränklies. Zudem ist der Indoo­ranbau nicht kompliziert und es macht Spaß zu sehen, wie die Blüten heranreifen.

grow! Wie lange betreibst du diese Anlage jetzt?

La Taupe: Seit eineinhalb Jahren arbeite ich damit.

grow! Du hast also von Anfang an mit dem Grow-Zelt gearbeitet?

La Taupe: Ja, gleich von Beginn an.

grow! Warum hast du dich für eine Grow-Box entschieden?

La Taupe: Ich habe mir eine Box in der Größe von 3 x 3 Meter gekauft. Der Aufbau ist kinder­leicht und auch die einzelnen Elemente der Anlage, wie Lampen, Filter und so weiter las­sen sich schnell montieren. Die Box ist abso­lut lichtdicht. Wenn das Zelt geschlossen ist, dringt kein grelles Licht nach außen. Ich woh­ne hier zur Miete. Bei der Verwendung der Box brauche ich keine Löcher zu bohren oder Folie an die Wände zu kleben. Zudem kann ich die ganze Anlage schnell wieder verschwinden Lassen.

Niemand erkennt nach dem Abbauen mehr, dass hier mal eine Grasanlage stand.

grow! Hast du negative Aspekte beim Arbeiten mit der Box festgestellt — Probleme beim Auf­bau oder sonst was?

La Taupe: Nein, ich bin sehr zufrieden mit mei­ner Box. Ich finde zudem, dass sich das Klima in einer Box besser regulieren lässt.

grow! Wie viele Lampen hängen in deiner Home-Box?

La Taupe: Ich habe zwei 400-Watt- und zwei 600-Watt-Lampen.

grow! Gibt es einen Grund, warum du anstatt vier 400-Watt- oder 600-Watt-Lampen eine Mischung aus zwei 400-Watt-Lampen und zwei 600ern gewählt hast?

La Taupe: Das hat mit meiner Stromversor­gung, besser gesagt mit der Absicherung zu tun. Ich wollte die Sicherung jeweils nicht mit mehr als 1000 Watt belasten. Vier 600-Watt-Lampen wären zuviel Belastung.

grow! Wie kommst du an neue Pflanzen? Ar­beitest du mit Samen oder schneidest du sel­ber Stecklinge?

La Taupe: Ich schneide selber Stecklinge für den nächsten Zyklus.

grow! Stammen die Stecklinge von Mutter­pflanzen oder von dem aktuellen Zyklus wäh­rend der Wachstumsphase?

La Taupe: Nein, Mutterpflanzen habe ich kei­ne. Am Ende der Wachstumsphase schneide ich neue Stecklinge, die dann unter Neonröh­ren gestellt werden. Die Neonröhren sind rund um die Uhr in Betrieb. Wenn die Pflanzen von den Neonröhren in die Grow-Box wechseln, schalte ich zu Beginn erst nur zwei Lampen an und dann ein paar Tage später die ande­ren beiden hinzu. So können sich die jungen Pflanzen besser an die neuen Bedingungen gewöhnen.

grow! Wo hast du die Stecklinge stehen?

La Taupe: Sie stehen im selben Raum, in dem auch die Grow-Box steht. Die Box ist total lichtundurchlässig, sodass die Dunkelphase nicht gestört werden kann.

grow! Wie viele Stecklinge schneidest du je­des Mal?

La Taupe: Pro Zyklus schneide ich 300 Stück, von denen bis zu 250 Stück wurzeln. Im Mo­ment habe ich jedoch keine Stecklinge ge­macht, da sich bei mir Heizungsmonteure angekündigt haben. So fahre ich diesen Zyklus noch zu Ende und beginne nach der Heizungs­aktion mit frischer Genetik.

grow! Wie lange bleiben deine Pflanzen nach der Bewurzelung noch im Wachstum?

La Taupe: Nach weiteren 15 Tagen schicke ich sie vom Wachstum in die Blüte.

grow! Bekommen die Pflanzen von Beginn an Nährstoffe?

La Taupe: Ja, die Stecklinge erhalten von An­fang an Wurzelstimutator von Hesi. Später gebe ich dann andere Hesi-Produkte hinzu, je nach Zyklus der Pflanzen. Ich habe ein Anlei­tungs-Schema, nach dem ich mich richte.

grow! Verwendest du auch so genannte Sti­mulatoren?

La Taupe: Außer den Hesi-Produkten verwen­de ich nur noch Liquid Oxygen von Growth Technologie sowie natürlich pH-Minus.

grow! Auf welchem Medium baust du an?

La Taupe: Ich verwende Steinwollmatten. Auf jede Matte setze ich dann 5 Pflanzen, die zuvor in Steinwollwürfeln gewachsen sind, nachdem sie zuerst in Stecklingswürfeln ge­wurzelt haben.

grow! Deine Bewässerung ist dann sicher au­tomatisiert, oder?

La Taupe: Klarer Fall! Ich habe eine automa­tische Bewässerung mit Nährstofftank, Pum­pe, Verteilerschläuchen und für jede einzelne Pflanze einen Tropfer. Die Pflanzen werden in regelmäßigen Intervallen mit der Nährlösung versorgt. Anfangs, wenn die jungen Pflanzen noch klein sind, läuft alle zwei Stunden die Pumpe zwei Minuten lang und bewässert so. Am Ende der Blütephase läuft die Bewässe­rungsanlage dann jede viertel Stunde zwei Minuten lang. Da kommt im Laufe eines Zy­klus einiges an Nährlösungsverbrauch zu­sammen.

grow! Wie oft erneuerst du die Nährlösung? Reicht einmal in der Woche aus?

La Taupe: Nein, ich kontrolliere täglich das Nährstofffass auf pH- und EC-Wert und mische fast jeden Tag die passende Nährlösung frisch an.

grow! Arbeitest du mit einem geschlossenen System?

La Taupe: Nein, das bringt nur Probleme und lohnt sich nicht. Ich arbeite mit einem offenen System. Das Drainagewasser wird also direk entsorgt. Ich

gebe den Pflanzen nur frisch und vollständige Nährlösung.

grow! Wie hoch liegt der pH-Wert deines Lei tungswassers?

La Taupe: Der pH-Wert liegt bei 7.8 pH. Ich re gele ihn dann mit pH-Minus auf 5.5 pH herun ter.

grow! Welche EC-Werte gibst du den Pflan zen?

La Taupe: Während der Wachstumsphas: gebe ich einen EC von 1.0. In der Blütephas: steigere ich von 1.2 über 1.5 bis zu 1.8 EC.

grow! Hattest du schon Probleme mit Schädlingen?

La Taupe: Ich hatte einmal Befall mit Thripse und bei meiner letzten Ernte hatte ich leide ein heftiges Problem mit Mehltau.

grow! Mehltau — und das Indoor? Hört sich nach zu hoher Luftfeuchtigkeit an.

La Taupe: Der Mehltau ist ja ein Pilz und kan sich leicht einschleichen. Hier in unserer Gegend haben 8 von 10 Growern Probleme mit Mehltau. Vielleicht liegt es daran, dass es hier endlos viele Pflanzen gibt, die Mehltaubefall haben. So kann man die Sporen leicht von draußen in seine Anlage einschleppen.

grow! Welche Genetik baust du gerade an?

La Taupe : Ich habe Diesel stehen, der eine Blütezeit bei Hydro von etwa 8 Wochen hat. Hydro ist meist etwas schneller fertig als Pflanzen, die in Erde wachsen.

grow! Mit dem extrem heißen Wetter war die­ser Zyklus sicher nicht einfach. Hattest du Probleme damit?

La Taupe: Ja, bei der Hitze haben sich zuerst die Blätter eingerollt und sind dann nach und nach vertrocknet. Die Luftfeuchtigkeit ist zu gering. Die Blüten sind auch nicht so fett wie sonst.

grow! Hast du einen Luftbefeuchter, um den Gehalt zu erhöhen?

La Taupe: Nein, leider nicht. Ich habe jedoch einen guten 1000-m3-Absauger, der eigentlich gute Dienste tut. Ich habe sogar den Thermo/ Hygrostat ausgestellt und lass ihn jetzt auf

Dauerbetrieb laufen. Doch bei diesem Wetter hilft das nur wenig. Das Gras hat seinen Zy­klus eh hinter sich und wird nun geerntet.

grow! Wie gehst du dabei vor?

La Taupe: Ich habe Trocknungsnetze, auf de­nen ich die Blüten ausbreite.

grow! Wie lange lässt du das Gras trocknen?

La Taupe: Ich lasse es drei bis vier Tage auf den Netzen liegen, bis die Blüten leicht ange­trocknet sind. Dann packe ich das Gras locker in einen Karton und lasse es dort einen Tag lang trocknen. Danach lege ich es erneut ei­nen Tag lang auf die Siebe. Diesen Vorgang wiederhole ich abwechselnd und bekomme so am besten das Chlorophyll aus den Blüten.

grow! Verarbeitest du die Blätter oder schmeißt du sie auf den Kompost?

La Taupe: Nein, wegwerfen wäre viel zu scha­de. Das macht heute niemand mehr. Ich verar­beite meine Schneidereste im Pollinator oder auch im lce-o-Lator zu Skuff und Waterhash.

grow! Wie hoch ist dein Ertrag mit den zwei 400er- und zwei 600er-Lampen?

La Taupe: In der Regel habe ich zwischen 1,3 und 1,5 Kilo Gras pro Ernte.

grow! Bei dieser Menge dürfte es wahrschein­lich schwer sein, alles allein zu konsumieren. Verkaufst du dein Gras weiter?

La Taupe: Ja, das stimmt.

grow! Wie viel kostet dann ein Gramm davon?

La Taupe: Acht Franken, das sind ca. fünf Euro. Der Preis ist aber eher für Wiederverkäufer bei einer größeren Abnahmemenge. Der Endkun­de zahlt zehn Euro das Gramm.

grow! Wie sieht es mit der rechtlichen Situati­on für dich aus? Der Betrieb einer Indoor-Hanf-Plantage ist auch in der Schweiz nicht legal. Hast du keine Angst, deshalb Ärger zu bekom­men?

La Taupe: Nein, darüber denke ich gar nicht nach.

grow! Hattest du noch keine Begegnung we­gen Cannabis mit der Polizei? Wurdest du noch nie angehalten und kontrolliert?

La Taupe: Ja, schon. Ich musste deshalb auch schon einmal eine Zeit lang mit dem Kiffen aufhören. Mir wurde der Führerschein wegge­nommen und ich musste daraufhin eine Zeit lang Urin-Proben abgeben. Den Führerschein habe ich aber längst wieder zurück.

grow! Bist du für die

Legalisierung von Can­nabis?

La Taupe: Ja, warum auch nicht ...

grow! Hast du noch eine Message, die du den grow!-Lesern mit auf den Weg geben möch­test?

La Taupe: Ja, meine Message lautet: Baut alle Diesel an!

grow! Warum gerade Diesel?

La Taupe: Das Aroma und der Geruch — sprich das Parfum von Diesel — ist für mich das Beste!

grow! Wir freuen uns sehr über dein Vertrau­en und das interessante Gespräch.

Merci beaucoup et au revoir!

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