Über Nahrungsaufnahme - EC und PH Werte

Jul 17

Wahrscheinlich wiederhole ich mich bei diesem Thema, aber trotzdem möchte ich es noch einmal genau erklären, damit es alle verstehen. Wie ich festgestellt habe, ist in den meisten niederländischen Growshops weder die Zeit noch das Wissen um die richtigen pH- und EC-Werte für unsere Lieblingspflanzen vorhanden. Die pH- und die EC-Werte bilden jedoch den Kernpunkt einer erfolgreichen Zucht. Oft wird die Wichtigkeit dieser Werte viel zu ge­ring eingeschätzt. Trotz aller Booster und Stimulatoren, mit denen die Pflanzen verwöhnt werden, dreht sich al­les meistens um die richtigen pH- und EC-Werte, die für eine gute Entwicklung der Pflanzen sorgen.
Nehmen wir zuerst einmal den pH-Wert un­ter die Lupe. Ich versuche es so einfach wie möglich zu erklären: Die winzigen Trinkwur­zeln der Pflanzen besitzen Membrane, die sich öffnen, wenn der Säuregrad der angebo­tenen Nährstofflösung in Ordnung ist. Ist das nicht der Fall, dann schließen sich die Memb­rane und die Pflanze nimmt keine Nährstofflö­sung auf. Die Folge davon ist, dass die Pflanze soviel essentielle Stoffe wie möglich aus den eigenen Deckblättern zieht. Das wiederum hat zum Resultat, dass die Deckblätter schon frühzeitig gelb werden. Um zu bestimmen, welcher pH-Wert der richtige ist, braucht man ein gutes pH-Messgerät. Es gibt eine Men­ge minderwertiger Geräte am Markt; ein pH-Messgerät, das nicht ständig geeicht werden muss und sich der Temperatur anpasst, ist sehr hilfreich. Wenn dem Gießwasser Phos­phorsäure (pH — Blüte) zugefügt wird, dann muß man erst gut umrühren, bevor das pH-Messgerät hineingesteckt wird. Viele Mess­geräte gehen kaputt, weil sie in eine zu hohe Säurekonzentration gesteckt werden. Ein wei­terer wichtiger Punkt in Bezug auf den pH ist, dass pH + nie verwendet wird, wenn dem Gießwasser zuviel pH - zugefügt wurde, denn diese zwei verschiedenen Säuren kämpfen miteinander und die Pflanze stoppt dann ihr Wachstum. Für viele Züchter sind diese, auf meinen eigenen Erfahrung basierenden Aus­sagen vielleicht erschreckend, steht dieses Wissen doch allem entgegen, was wir in der Schule gelernt haben ... Es hängt auch von dem Medium ab, welcher pH-Wert der richtige ist. Nimmt man zum Bei­spiel frische Blumenerde von einem regu­lären Gartenbaubetrieb, dann fängt man mit Leitungswasser an, sogar wenn der pH-Wert 7.8 sein sollte. Die Erde ist meistens so sau­er, dass normales Leitungswasser ausreicht, um auf einen durchschnittlichen ph-Wert von 5.8 bis 6 zu kommen. Liegt der pH-Wert der Erde bei 5.o dann wird eine Nährlösung mit pH 7.o gegeben, um so auf einen pH-Wert im Sub­strat von ca. pH 6.o zu kommen, denn in die­sem pH-Bereich (zwischen 5.9 und 6.6) kann die Pflanze die ihr angebotenen Nährstoffe am besten aufnehmen. Der ideale pH-Wert für Erde beträgt 6.3. Den pH-Wert der Erde misst man wie folgt: Becher oder Glas mit 1/4 Erde füllen, 1/4 neutrales (pH 7.o) Wasser dazu geben, gut rühren und ein paar Stunden ste­hen lassen. Das pH-Messgerät (und auch EC-Messgerät) in das Gefäß tauchen und die ge­messenen Werte werden angezeigt. Alles was über pH 6 liegt, wird mit pH - gesenkt. Also: pH 4 verlangt pH 8 um auf pH 6 zu gelangen, pH 5 verlangt pH 7 um auf pH 6 zu kommen, pH 6 verlangt nichts, einfach so lassen.

Hydrozüchter gehen auf pH 5.8 oder sogar noch niedriger, weil ihr Medium auch viel Bal­last (Abfallstoffe) festhält, die die Steinwol­le in flottem Tempo härter macht. Deswegen verlangen Hydrosysteme ein regelmäßiges Durchspülen des Mediums. Ihr Vorteil ist aber, dass sie den ganzen Zyklus hindurch den glei­chen pH-Wert beibehalten können, weil sie bei jeder Wassergabe zugleich auch spülen. Je weiter der Zyklus fortgeschritten ist, umso mehr Ballaststoffe bleiben in dem Medium hängen. Je mehr nicht aufgenommene Salze dort vorhanden sind, desto niedriger wird der pH-Wert des Gießwassers dosiert, damit die Nährlösung aufnehmbar bleibt. Die höchste Konzentration der Abfallstoffe wird hauptsächlich oben in dem Medium gespeichert. Es ist also ratsam, die Pflanzen von unten zu wässern. Dadurch lösen sich weniger Abfall­stoffe aus der oberen Substratschicht und der wertlose Ballast wird nicht zurück zu den Trinkwurzeln gespült, die sich im unteren Teil des Substrates befinden.

Was gibt der Markt an Nahrung? Will man so organisch wie nur möglich züchten, dann ist die Auswahl nicht einmal so groß. Es gibt Nahrung, in der schon pH — enthalten ist, aber das Messen des richtigen pH-Wertes bleibt trotzdem erforderlich. Hydro-Dünger ist oft stark konzentriert und nicht mit organischem Dünger zu vergleichen. Organisch züchten ist viel besser,

ehrlicher und geschmackvoller, sodass es gut ist, hier mal drüber nachzuden­ken. Man braucht eigentlich weniger, als die meisten denken ...

Immer erst den Dünger in das Leitungswasser hineingeben und den EC-Wert (gelöste Salze) messen. Ist der EC-Wert (elektrische Leitfä­higkeit) in Ordnung, dann erst den pH-Wert messen und anpassen. Das pH-Messgerät in Ruhe bedienen, bis sich das Mess-Resultat stabilisiert hat. Der ideale EC-Wert ist von der Pflanzensorte und der Entwicklung der Pflan­ze abhängig. Gespült wird mit reinem Was­ser, das auf pH 5.8 gebracht wurde. Mit Spü­len von Pflanzen auf Erde meine ich, nur mit gesäuertem Wasser ohne Dünger spülen. Ich gebe jede vierte oder fünfte Wassergabe ohne Dünger. Wichtig ist es, rechtzeitig eine Bak­terienkultur im Medium entstehen zu lassen! Das geht mittels Booster und Stimulatoren, die die Entwicklung von Bakterien im Nähr­boden aktivieren. Es geht aber auch billiger und schneller, wenn man gleich nitrifizieren­de Bakterien beim Spülen verwendet.

Zuviel Wasser geben bedeutet, die Pflanze zu vergiften, denn auch dann schließen die Membrane sich und eine Nahrungsaufnah­me ist nicht mehr möglich. Je länger die Zeit der Nährstoffaufnahme dauert, desto besser werden sich die Pflanzen entwickeln können.

Über den Tag verteilt sollten die Pflanzen op­timal versorgt werden. Zirka fünfzig Prozent der Züchter gibt noch immer zu viel Wasser und bei der Zucht auf Erde kann das sicher­lich sehr schnell katastrophale Folgen ha­ben. Besser ist es, einen Versorgungszyklus mehr zu fahren, als einmal zu viel Nährlösung zu geben. Züchter sind wie Tierbesitzer ... sie können nicht wirklich lange außer Haus blei­ben ... LOL :)

Nun geht es um den EC-Wert: Wir haben un­sere eigene Erde herstellen lassen, weil wir selber die totale Kontrolle über den EC- und pH-Wert haben wollen. Diese Erde ist nur ganz leicht gedüngt, mit Kalk und hauptsäch­lich Lehm, bei einem gleichbleibenden pH-Wert von 6.o. Der niedrige EC-Wert in dieser Erde hat den Vorteil, dass wir wirklich orga­nisch züchten können. Mit einem niedrigen EC können wir selber bestimmen, welche Art der Nahrung wir geben und in welcher Menge. Stecklinge und/oder Keimpflänzchen haben am Anfang nur wenig Nahrung nötig. Bekom­men sie am Anfang zu viel gelöste Salze, ver­brennen die zarten Wurzeln. Wenn innerhalb des Mediums ein Nahrungspuffer (Speicher) entsteht, werden Vergiftungen schnell sicht­bar. Nahrung individuell verabreicht und nicht auf Vorrat — ein guter Slogan. Tatsächlich ver­langen junge Pflänzchen hauptsächlich ein wenig Stickstoff (N) und weiter nur sehr we­nig Nährstoffe. Stickstoff und CO2 sind am An­fang die Hauptlieferanten der Nahrung für das neue Gewächs. Wenn violette oder rote Stän­gel und/oder Blattadern zu erkennen sind, liegt das zu neunzig Prozent daran, dass zu viel Wasser oder zu wenig Stickstoff vorhan­den ist. Stecklinge und Keimpflanzen bekom­men am Anfang einen EC von 0.4 zusätzlich zu dem EC-Wert des Leitungswassers. Kommt also ein EC von o.5 aus der Wasserleitung, dann bekommen die Babys einen EC von 0.9. In dem Moment, wenn die Pflanzen in die ve­getative Phase gehen und stark wachsen stei­gert man auch den EC-Wert des Gießwassers, jedoch nie höher als bis zu einem EC-Wert von i.8. Sonst muss man nämlich in den letzten Wochen damit rechnen, dass zu schnell ein Nahrungsspeicher entsteht. Zuviel Nahrung ist reines Gift. Die schweren Metalle binden sich im Substrat und es entstehen allerhand toxische Probleme. Für bequeme Gärtner gibt es einen Fertometer, mit dem die Nahrung kontrolliert werden kann. Auch rate ich dazu, einen Tensiometer anzuschaffen, der funktio­niert jedoch nur bei Erdmedien. Mit dem Ten­siometer kann ganz genau bestimmt werden, wann Wasser gegeben werden sollte, aber auch in welcher Menge.

Jetzt ist es Juni und viele Grower haben wegen der Outdoorpflanzen Hummeln im Hintern. Die 4 Pflanzen, die wir hier in Holland, im kal­ten Boden, gemäß unserem Gesetzgeber be­sitzen dürfen, müssen gute Resultate liefern. Samenpflanzen in einem Garten sind stärker als Stecklinge und auch weniger empfindlich. Sie können auch viel besser einen Gewitter­sturm überleben, weil sie in 9 von io Fällen besser gewurzelt haben. Früher wurde Hanf sogar als Windschutz verwendet. Die meisten Outdoor-grower haben schon erlebt, dass von heftigen Windböen Zweige ihrer Stecklings-pflanzen abgerissen wurden.

Stay Cool, High and take Time to Fly!

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