Hydroponik in Russland - Der wilde, wilde... Osten!

Jul 17

m Jahr 2006 begann unsere Zusammenarbeit mit Aleksander Chereshnev von Dzati Fond in Perm (Ural), der nun­mehr unser offizieller Großhändler für Russland geworden ist. Inzwischen haben wir eine erfolgreiche und freund­schaftliche Zusammenarbeit aufgebaut. Exporte nach Russland sind kein einfaches Geschäft, insbesondere im Bereich der Düngemittel. Diese müssen vom Landwirtschaftsministerium und vom Rospotrebnadzor der Russischen Föderation genehmigt werden und dies ist ein großes Abenteuer. Man muss mit sich der Komplexität der russischen Administration auseinandersetzen. Es hat einige Jahre gedauert, einiges an Investitionen und eine Menge Geduld gekostet, um den Vorgang erfolg­reich abzuschließen.
Zum Glück war uns Dzati eine große Hilfe und wir sind heute der erste westliche Düngerher­steller, dessen Düngemittel in der Russischen Föderation registriert sind (siehe unter www. eurohydro.com, russische Version, dann auf Flora Series klicken). Vor einigen Monaten wurden wir von Aleksan­der nach Perm eingeladen. Er wollte William Texier (R&D, Technischer Leiter und Verant­wortlicher des Gewächshauses bei GHE) und mir (Verkauf und Marketing), den russischen Markt zeigen, uns einigen seiner Händler vor­stellen und einige Hydroponikbetriebe mit uns besuchen, die technischen Rat benötigten. Es versprach, eine sehr interessante Reise zu werden. Also nahmen wir an und landeten am lo. September 2009 in Moskau. Wir waren glücklich, der Himmel war blau und das Wetter blieb während unserer ganzen Reise warm und sonnig. Unser Kontakt in Moskau war Denis, Mitbegründer von Dgrow shop, der erste Hydropo­nikladen in Russland. Während der ersten 3 Tage waren wir mit Stadtbesichtigungen mit Stephan beschäftigt, dem besten Reiseführer und Mitglied der Dgrow-Mannschaft. Moskau ist eine erstaunliche Stadt. Man könnte glau­ben, sie ist grau, hässlich und kalt. Überra­schenderweise besitzt Moskau eine schöne und reiche Architektur mit alten orthodoxen Kirchen gleich neben riesigen, supermodernen Hochhäusern und gigantischen Gebäuden aus der Sowjetzeit — die Bauwerke von Stalin, Kh­routchov und Gorbatchov sind sofort an ihrer jeweiligen Architektur erkennbar. Moskau ist eine moderne Metropole mit ca. 13 Millionen Einwohnern, mehr als 14o0 km Straßen und ... niemals endenden Staus! Man findet eine Mi­schung aus ethnischen Gruppen und Kulturen aus allen Horizonten, ein Schmelztiegel von Menschen aus der gesamten Föderation zwi­schen Osteuropa und Ostasien. Eines Abends besuchten wir Dgrow im nördlichen Stadtteil. Denis und seine Mannschaft hatten den Laden gerade umgebaut, aber ein kleiner Garten mit wunderschönen Pflanzen und duftenden Gardenien füllte bereits ei­nen Großteil des Ladens. Wir trafen Sergei, den Gärtner von Dgrow. Sergei hat den grü­nen Daumen; seine Pflanzen sind gesund und kräftig. Sobald William eintraf, setzte sich die gesamte Mannschaft mit ihm zusammen, um alle offenen Fragen über Hydroponik zu klä­ren. Erst nach Mitternacht kehrten wir zum Hotel zurück. Diese jungen Leute haben kein Zeitgefühl ... Sie arbeiten 7 Tage in der Wo­che, von ii Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Und es macht ihnen nichts aus, notfalls auch nachts zu arbeiten! An unserem letzten Abend in Moskau lud uns Denis zu einer Schiffsreise auf der Moscwa ein, einer unvergesslichen vierstündigen Tour entlang der Flussufer der Stadt. Unser nächster Stop war Perm im Ural, am an­deren Ende unseres Kontinents, an der Gren­ze zwischen Asien und Europa. Dort befindet sich Dzati Fund.

Dzati wird geleitet von Andrei Ezhov (Präsident und Hauptgeschäftsführer), Aleksander Chereshnev (R&D, Verkauf und Marketing) und Sergei Chernenko (Verwaltung und Buch­haltung). Es werden 7 Personen beschäftigt. Das Lager ist buchstäblich ein alter, unterir­discher Sowjetbunker, voll bis zum Dach mit GHE-Produkten. Die Büros befinden sich in der Stadt. Es herrscht eine große Aktivität, aber die Leute wirken ruhig und berufserfah­ren.

Am nächsten Tag besuchten wir »The Green­house«, den ersten Hydroponikshop in Perm. Lisa führt den Laden mit Hilfe von 2 Kollegen. Sie ist auch der Gärtner; ihre Arbeit hat uns beeindruckt. Der Laden gleicht einem Dschun­gel aus üppigen, kräftigen, schwingenden Pflanzen und Weinstöcken unterschiedlicher Größen und alle in Hydroponik. Wie auch in Moskau konnte man die Leidenschaft des Gärtners hinter jedem Topf sehen. Lisa ist von Hydroponik begeistert. Sie be­gann mit einer oder zwei Pflanzen und ist nun von der
Technologie gefesselt. Sie hat das Po­tenzial begriffen und ist bereits daran interes­siert, es in einer Region wie Perm kommerziell zu nutzen. Das Gebiet um Perm ist sehr weitläufig und die Stadt selbst hat mehr als eine Million Ein­wohner. Von Oktober bis April ist dort alles mit Schnee bedeckt. Erfolgversprechend wäre mit Sicherheit die Vermehrung und Produkti­on von Pflanzen und der Verkauf von frischem Gemüse und Blumen. Die Entwicklung von Hydroponik-Hausgärten ist auch eine ausge­zeichnete Option, da es heute sowohl in Perm als auch im übrigen Russland eine wachsende Zahl von modernen Häusern mit bester Aus­stattung gibt, deren Bewohner von der Idee eines häuslichen Hydroponikgartens rund um das Jahr begeistert sind. Unser nächster Besuch war ein großer Fa­milienbetrieb, auch in Perm gelegen. Keine Namen, Besucher sind nicht unbedingt ger­ne gesehen. Aber diese Leute (Mutter, Vater und Sohn) betreiben ein Hydroponikgewächs­haus mit Salat und Kräutern, teils mit unseren Düngern, teils mit anderen und sie hatten mit diversen Problemen zu kämpfen. Die Pflan­zen sahen zwar gut aus, aber man sah, dass sie nicht optimal versorgt waren. Sie hatten ein Sauerstoffproblem und es waren zu viele Pflanzen in einem Topf. Der erste Kontakt war etwas zurückhaltend, aber nachdem William einige ihrer Fragen beantwortet hatte, wurde die Stimmung viel freundlicher und das Tref­fen endete mit einem gemeinsamen Tee, wäh­rend diverse Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert wurden. Unser letzter Besuch fand in der Umgebung von Perm statt. Dort verwaltet Aleksander einen Häuserblock, in dem alle Unterge­schosse unbewohnt sind. Sein Plan besteht darin, dort eine kleine Erdbeerfarm aufzubau­en und die Produktion auf den kleinen Bau­ernmärkten der Umgebung zu verkaufen. Er hatte bereits circa 20 m2 als Growroom ein­gerichtet und baute Erdbeeren in einem Ae­roflo an, mit Licht und Belüftung. Gleich wur­de klar, dass er mehr Hintergrundinformation brauchte, um die Operation erfolgreicher zu gestalten. Die Blätter waren dunkelgrün und sahen gestresst aus, die Pflanzen hatten ein schwaches Wurzelsystem und eine Spinnmilben-Attacke machte sich überall durch Spinn­gewebe bemerkbar. Aber das Feeling war gut und der Ball kam nach einigen EC- und pH-Korrekturen schnell ins Rollen. Wir mussten besonders auf die Bedeutung einer gesun­den Umgebung aufmerksam machen, was im Fall von solchen alten umgebauten Gebäuden nicht immer gegeben ist. Wir machten auf die besondere Bedeutung von Hygiene, Belüf­tung, Beleuchtung und integriertem Pflanzen­schutz aufmerksam. Wir besuchten auch noch zwei perfekt eingerichtete Family Farms, die den lokalen Markt mit frischem Obst und Ge­müse versorgten.

Natürlich kann man nicht in einigen Tagen die komplette Hydroponik-Situation in Russland erfassen, aber es war nicht schwer zu begrei­fen, das dies das Land »par excellence« ist, in dem das beste Potenzial für Hydroponik gege­ben ist. Es ist ein riesiges Land mit 142 Milli­onen Einwohnern auf 17 Millionen Quadratki­lometer. Es ist eines der größten Agrarländer der Welt. Es verfügt über zahlreiche Boden­schätze (Kohle, Eisen, Diamanten, etc. ...), sowie riesige Energievorkommen (Erdöl und Erdgas) und erstaunlich viele Flüsse und Seen mit enormen Kapazitäten für die Stromerzeu­gung. Die Wälder sind endlos und das Land sieht aus, wie es früher wahrscheinlich im »Wilden Westen« aussah. Wasser ist überall verfügbar und Elektrizität extrem preiswert. Das Klima ist sehr streng, die Winter sind hart und sehr lang. In manchen Gebieten, speziell in Sibirien, taut der Boden niemals auf. Ein Großteil des russischen Bodens kann nicht genutzt werden: Zu trocken, zu kalt und große Flächen sind mit Tundra, Taiga, Steppe oder Wäldern bedeckt. Landwirtschaft ist nur 7 Monate im Jahr möglich und dies nur in den gün­stigsten Regionen. Die russische Landwirt­schaft ist mit ihren eigenen Einschränkungen konfrontiert, während die Nachfrage nach ei­ner größeren Auswahl und einer besseren Le­bensmittelqualität kräftig wächst.

Grob gesagt: Russland produziert Getrei­de (Weizen, Gerste, Sonnenblumen, Hafer, Roggen und Mais) in Süd- und Westsibirien und konzentriert sich im Norden auf ständig wachsende Viehherden. Es exportiert Getrei­de (hauptsächlich Weizen und Gerste) sowie Ölpflanzen. Es importiert riesige Mengen Le­bensmittel und über 75% des Landesver­brauchs an Obst und Gemüse.

Die Landwirtschaft ist in 3 Hauptgruppen un­terteilt: Kollektivfarmen (konvertierte Sowjet­kolkholzen, die inzwischen starke Holdings geworden sind), die im allgemeinen Getreide anbauen oder Vieh züchten, private kommer­zielle Betriebe, die sich auf den Gemüseanbau spezialisiert haben und Familienbetriebe, die Obst und

Gemüse für den Eigenverbrauch oder für den Verkauf auf dem lokalen Markt anbau­en. Diese Organisation bietet im Hinblick auf die Marktentwicklung nicht genügend Effi­zienz. Die Bauern müssen ihre Infrastruktur anpassen und modernisieren. Die russische Regierung hat 2007 ein Förderprogramm zur Erhöhung der Produktionskapazität des Landes für Lebensmittel aufgelegt. Dieses ist speziell auf nachhaltige Entwicklung, Beschäf­tigung, Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten, Verstärkung der Rus­sischen Wettbewerbsfähigkeit und Erhaltung der natürlichen Ressourcen ausgerichtet. Eine der wichtigsten Zielsetzungen besteht darin, die Effizienz zu verbessern, indem neue nachhaltige Technologien angewandt werden. Und welche Technologie wäre hierfür besser ge­eignet als Hydroponik? In kalten und kahlen Gebieten, in denen ausreichend Wasser und preiswerter Strom zur Verfügung stehen, gibt es nichts Besseres als den eigenen Gemü­seanbau. Nicht nur für den Frischwarenmarkt, sondern auch für die Produktion vor Ort, Ver­packung und Vertrieb. Die russische Wirt­schaft wächst schnell, trotz schwerer Zeiten während der Wirtschaftskrise. Im Lauf der letzten 20 Jahre fand der Übergang statt: Von einer totalitären kommunistischen Organisa­tionsform, in der nur die obersten Behörden Entscheidungen treffen konnten, hin zu einer offenen Marktwirtschaft, in der einzelne Per­sonen selbst entscheiden können. Vom ökolo­gischen Gesichtspunkt ist der Eigenanbau die beste Lösung, gleich ob draußen während der schönen Jahreszeit oder hydroponisch innen während der kalten Monate. Manche werden sagen, der Anbau in Gewächshäusern im Win­ter sei der Gipfel der Verschwendung. So ge­sehen, ist dies auch verständlich. Aber wenn man an die Menschen denkt, die in diesen kalten Regionen leben, muss man zugeben, dass sie dadurch ihre Ernährung mit gerin­gen Kosten verbessern. Es geht nicht darum, das ganze Jahr Erdbeeren oder Litschis mitten im Moskauer Winter essen zu können, son­dern lediglich darum, frische Nahrung auf den Teller zu bekommen, was mit Hydroponik er­reichbar wird.

Hydroponik verleiht der Pflanzenprodukti­on eine neue Dimension und gibt eine Ant­wort auf die meisten ökologischen Probleme. Sie passt sich den meisten Umgebungen und Klimas an, funktioniert mit geschlossenen Kreisläufen und verschmutzt somit nicht das Grundwasser. Sie reduziert den Wasser- und Düngemittelbedarf und spart Transportko­sten, wenn die Produktion an Ort und Stelle stattfindet. Es werden größere Mengen auf der gleichen Fläche produziert und, wenn sie gut bewirtschaftet wird, können hochqualita­tive Lebensmittel für eine größeren Personen­kreis erzeugt werden. Einmal installiert, sind die Kosten zwischen den Ernten gering und Hydroponiksysteme halten ewig.

Dieser Besuch gab uns eine gute Übersicht darüber, wie Hydroponik in Russland funkti­onieren kann.

Alle unsere Kontaktpersonen dort haben Plä­ne in dieser Hinsicht und diese Pionierstel­lung müsste ihnen einen guten Vorsprung verschaffen. Wir wollen ihnen natürlich, auch mit Hilfe von Dzati, gerne behilflich sein, ihre Ziele zu erreichen.

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