Organisch züchten ist voll im Trend und findet immer mehr Anhänger - Guerilla Growing Cannabis

Jul 17

Es ist immer wieder erstaunlich, welche unverhofften Ereignisse das Leben für jeden ein­zelnen von uns bereithält. So begegnen uns nach einer Party auf dem Parkplatz drei sym­pathische Leute, die ausgelassen singen und tanzen. Unsere Autos stehen nebeneinander geparkt. Nach freundlichem Hin-und-her-Gegrinse sagte der große Blonde unter ihnen: „Ey, seid ihr nicht die Leute von der grow!?"

so kommen wir gleich ins Gespräch. Wie sich herausstellt, sind wir uns schon früher auf der HanfParade in Berlin einmal kurz begeg­net. Ja, die Welt ist klein und meistens trifft man sich mehr als einmal. Das Mädchen mit den Dreads schüttelt uns die Hand: „Ich bin Betty". Sie blickt rüber zu dem großen Blon­den und sagt weiter: „Das ist mein Liebster, der Klausi und der da neben ihm, mit dem bär­tigen Gesicht, ist unser bester Freund Herby. Wir wohnen zusammen in einer WG. Vielleicht habt ihr ja Lust, uns besuchen zu kommen und ein Guerilla-Growing Interview zu machen?" Wir verabreden, uns bald zu treffen.

Nach einer relaxten Autofahrt halten wir vor dem angesagten Haus. Wir sind noch nicht ausgestiegen, da geht schon die Türe auf und zwei große Hunde stürmen aus dem Haus, die Treppe runter. „Da seid ihr ja endlich!", ruft Betty und lacht uns freudestrahlend an. Wir gehen ins Haus. In der Küche treffen wir auf die beiden anderen. „So, jetzt wird erst mal der »Willkommensjollie« entzündet", begrüßt uns Herby und raucht lässig einen extra lan­gen Joint an. Klausi stellt Tassen auf den Tisch und gießt den Kaffee ein.

grow! Euch scheint es ja richtig gut zu gehen.

Klausi: Ja, das stimmt. Wir genießen bewusst den Augenblick und haben meistens gute Lau­ne.

Betty: Das Leben ist zu kurz und wunderbar, um Trübsal zu blasen. Zwar haben wir auch manchmal kleine Depressionen, aber dage­gen hilft doch unser gutes Kraut!

Herby: Wohlwahr, unser Homegrown ist Top. Organisch gedüngt und frühzeitig gespült.

grow! Erzählt doch mal, wie es dazu gekom­men ist, dass ihr Cannabis konsumiert?

Betty: Bei mir kam es indirekt durch meinen Freundeskreis. Auf einmal hatte jemand ein Winztütchen mit Grasresten am Start ... von der großen Schwester stibitzt. Das haben wir dann geraucht und danach stundenlang über alles Mögliche gekichert. Wenn ich heute da­ran denke, muss ich lächeln, wahrscheinlich haben wir den Rauscheffekt etwas übertrie­ben gespielt ...

Klausi: ... der Herby hat nicht umsonst seinen Namen bekommen. Er ist ja auch schon ein paar Jahre weiser als wir (er zwinkert Herby zu).

Herby: Ja, der Klausi ... Er war ganz schön neu­gierig, und manchmal etwas nervig und hat mich so lange bekniet, mit ihm einen Joint zu rauchen, dass ich schließlich die Nase voll hatte und eine besonders fette Tüte baute!

Betty: Armer Klausi ...

Klausi: Na ja, so schlimm war es gar nicht. Im­merhin bin ich da auf den Geschmack gekom­men. Ja, dank Herby, er ist unser Herbspezi­alist.

grow! Und wir dachten, Herby kommt von Herbert ...

Betty: Nee, von Herb, dem Kraut. Manchmal nennen wir ihn auch HolyHerby ..., aber nur, wenn er ganz lieb ist. Wir wollen es ja nicht übertreiben! Nicht das Herby noch Höhenflüge kriegt ...

grow! Aha, wie kamt ihr dann zu der Grow-An­lage?

Klausi: Herby hatte schon immer ein Händ­chen für Pflanzen und eine besondere Leiden­schaft für Cannabis. Er hat schon vor mehr als io Jahren Hanf angebaut.

Herby: Ja, das stimmt. Ich habe früher eine Zeit lang in den Niederlanden gelebt und dort bei Kumpeln einiges über den Indooranbau gelernt. Damals habe ich einen Teil meines Einkommens damit verdient, dass ich Indoo­rgrowern meine Hilfe als »Knipper« angebo­ten habe. Das war oft sehr lustig, weil man mit vielen interessanten Menschen zusam­mensaß und bei der Arbeit gratis rauchen durfte. Zudem kam ich so extrem günstig an mein Gras. Doch diese Zeiten sind lange her und nun leben wir hier schon seit über 7 Jah­ren zusammen und so lange läuft auch schon die Grasanlage.

grow! Schon seit 7 Jahren? Hattet ihr deswe­gen nie Arger mit der Polizei?

Klausi: (klopft dreimal mit der Faust leicht auf den Küchentisch) Nein,

glücklicherweise le­ben wir hier bisher unbeschieden in Ruhe und Harmonie.

Herby: Wir halten die Bälle flach, leben ein­fach und unauffällig, sind immer freundlich und Herr, (blickt kurz auf Betty B.) bzw. Frau unserer Sinne.

Betty: Wir machen ja auch nichts Schlimmes! Die paar Hanfpflanzen sind fast nur für den Eigenbedarf. Wir geben nur etwas an gute Freunde zum Selbstkostenpreis weiter. So ha­ben wir einen Kumpel, der an grauem und grü­nem Star erkrankt ist und kaum noch sehen kann. Er macht sich aus den Blättern unserer Pflanzen Butter, die er dann zu Plätzchen be­reitet. Die Plätzchen wirken bei ihm besser, als das Gras zu rauchen ...

Herby: Sollen wir die Besichtigung mal star­ten?

grow! Ja, gerne. Wir sind schon sehr ge­spannt.

Der Weg geht einmal quer durchs Haus, hi­naus auf den Hof und wieder hinein in ein Ne­bengebäude. Dort geht es in den Keller und hinter zwei weiteren Türen liegt der Grow­raum. Das Licht ist so hell, dass man erst mal voll geblendet ist.

Herby: Ja, das ist schon der Hammer, was die Lampen an Licht bringen. Hier ist der Blü­teraum. Wir arbeiten mit zwei 600-Watt In­dustrias und einer 400-Watt-Lampe Marke »billig«. Die Lampen sind immer noch die glei­chen wie am Anfang. Nur die Leuchtmittel ha­ben wir regelmäßig erneuert.

grow! Wie lange dauert es, bis sie ausge­tauscht werden?

Klausi: Spätestens nach zwei Jahren kommen frische Leuchtmittel rein. Darauf achten wir genau und führen sogar Buch darüber.

grow! Wie verteilt ihr die Arbeit im Growraum? Hat jeder spezielle Aufgabenfelder zu erledi­gen?

Betty: So ganz eng sehen wir das nicht. Wich­tig ist, dass sich immer gut um die Anlage ge­kümmert wird. Manchmal wechseln wir uns mit den Arbeitsschritten ab und ein anderes Mal arbeiten wir alle gemeinsam, wie es halt passt.

grow! Wie vernünftig und diszipliniert, un­glaublich.

Herby: Na ja, Betty hat leicht reden. Sie ist manchmal tagelang nicht daheim ...

grow! Also doch nicht ...?

Betty zieht eine Fratze und streckt Herby die Zunge heraus. Alle lachen.

Herby: Ich hab halt am meisten Zeit und bin leidenschaftlich gerne bei den Pflanzen. Für mich ist das Therapie pur — Balsam für die stressgeschundene Seele — seufz!

grow! Welche Sorten baut ihr an? Klausi: Zurzeit Orangebud.

grow! Arbeitet ihr mit Stecklingen, Mutter­pflanzen oder mit Samen?

Klausi: Wir schneiden unsere Stecklinge etwa zwei Wochen vor der nächsten Ernte von den Mutterpflanzen. Das machen wir, genauso wie die Ernte, alte gemeinsam.

Betty: Ja, da sind wir ein gut eingespieltes Team. Wenn die Pflanzen geerntet wurden und die Stecklinge gewurzelt haben, kommen diese Stecklinge unter die Blütelampen und der nächste Zyklus startet.

grow! Wie oft könnt ihr ernten?

Herby: In der Regel blühen die Pflanzen 8 Wo­chen,

dazu kommt noch eine Woche Wachstum bei 18 Stunden zu Beginn unter den Na­trium-Hochdruck-Lampen. So können wir alle neun Wochen ernten. Fünfmal im Jahr.

grow! Und wie hoch ist dabei die durchschnitt­liche Erntemenge? Herby: Wir kommen meistens auf o,5 Gramm pro Watt, also bei den drei Blütelampen um 800 Gramm getrocknetes Gras. Wir haben aber auch keine CO2-Anlage und düngen or­ganisch. grow! Wie bewässert ihr die Pflanzen? Klausi: Im Moment gerade mal wieder von Hand, da unsere Tauchpumpe vor Kurzem den Geist aufgegeben hat. Da steht der näch­ste Besuch im Growshop schon auf dem Plan. Normal hat jede Pflanze bei uns zwei Tropfer­schläuche, da wir mit Erde arbeiten. Die Pflan­zen werden darüber automatisch bewässert. Das Brauchwasser fließt nicht zurück, son­dern wird in ein anderes Fass geleitet. grow! Welche Dünger-Marke verwendet ihr? Betty: Wie gesagt düngen wir ausschließ­lich organisch, aus absoluter Überzeugung! Bisher haben wir die Produkte von Plagron, Bio-Bizz und neuerdings auch jungleBoost ausprobiert. Die Ergebnisse waren durchweg super. Die Buds sind fett, kompakt und duften köstlich! Klausi:... und schmecken, mmhm ... und wir­ken, ... wow! grow! Würdet ihr nicht wesentlich mehr ern­ten, wenn ihr mineralischen Dünger
verwen­det? Herby: Das ist uns völlig egal. Wir legen Wert auf die Kraft der Natur. Bei Lebensmitteln ach­ten wir auch darauf, Produkte zu kaufen, die ohne Spritzmittel, Kunstdünger oder sonstige Zusatzstoffe produziert wurden. Wir wählen bewusst aus, was wir einkaufen und kochen lieber kleinere Portionen, aber dafür von ho­her Qualität. Nach dem Motto: klein aber fein. Lieber ein kleines Biosteak von einer Kuh, die noch auf der Weide an der frischen Luft ste­hen durfte und Gras zu fressen bekam. Das ist nicht zu vergleichen mit einem XXLSteak von einem Zuchtbullen. Obwohl das Rind ein Pflanzenfresser ist, wird es ein Leben lang mit Fleischabfällen gefüttert und mit Antibiotika vollgepumpt. So ähnlich empfinde ich das bei Cannabis mit gestrecktem Gras, Kunstdün­ger oder der chemischen Keule gegen Schäd­linge. grow! Hattet ihr schon Erfahrungen mit Schäd­lingen? Betty: Lange Zeit hatten wir Ruhe und waren schon der Meinung, sie würden uns verschonen ... Klausi: Das kannste haken! Mittlerweile sind wir mit den Spinnmilben auf Du und Du, ha­ben uns aber Verstärkung in Form von Nütz­lingen geholt, damit die Sache nicht überhand nimmt. grow! Wie oft müsst ihr wieder neue Nützlinge einsetzen? Herby: Es bleiben zwar immer welche im Pflanzenraum übrig, das gilt genauso für die Spinnmilben, aber je nach Raumklima und Jahreszeit gibt es mal mehr und mal weniger Befall. Wenn der Frühling beginnt, holen wir regelmäßig neue Nützlinge, die wir prophy­laktisch im Growraum aussetzen. So halten wir die Spinnmilben gut in Schach und brau­chen keine Spritzmittel einzusetzen. Selbst wenn sie biologisch abbaubar sein sollten ... grow! Arbeitet ihr mit EC- und pH-Messgerä­ten? Klausi: Aber logo! Obwohl wir mit Erde arbei­ten und organisch nach Dosieranleitung dün­gen, ist es gut zu wissen, ob die Werte stim­men.

grow! Wie geht der Ernteprozess bei euch ab?

Betty: Nachdem die Pflanzen abgeschnit­ten wurden, zerschneiden wir sie in einzelne Buds, die wir dann, in der Dunkelkammer, auf Trockensieben ausbreiten. Dort bleiben sie mindestens io Tage liegen.

Herby: Wichtig ist, darauf zu achten, dass es nicht zu schnell trocknet. In der ersten Wo­che würde ich empfehlen, die Temperatur auf 20 Grad, bei einer Luftfeuchtigkeit von 6o %, einzustellen. In der zweiten Woche der Trock­nung kann die Temperatur bis auf 25 Grad und die Luftfeuchtigkeit auf 45-5o % eingestellt werden.

Klausi: Früher haben wir die Pflanzen noch auf Wäscheleinen getrocknet. Das dauerte einige Tage länger. Außerdem ist es viel ein­facher, die Buds im frischen Zustand zu ma­niküren als getrocknet. Aber das ist vielleicht eher meine persönliche Meinung.

Herby: Nach der zweiwöchigen Trockenzeit packen wir die Ernte in Plastiktüten mit Klipp­verschuß und lagern sie trocken, kühl und dunkel. Nach ein paar Tagen öffnen wir die Tüten, um den Trocknungsgrad zu kontrol­lieren. Ist alles in Ordnung, werden sie wie­der verschlossen. Sollte noch zuviel Rest­feuchte vorhanden sein, lassen wir die Tüten noch ein paar Stunden leicht geöffnet liegen und wiederholen diesen Vorgang, falls nö­tig, am nächsten Tag noch einmal. Je besser die Trocknung, desto besser die Qualität. Das wird oft nicht hoch genug eingeschätzt.

grow! Was haltet ihr von der rechtlichen Situ­ation um Cannabis?

Herby: Unfassbar, wie ignorant die Politiker sind. Obwohl es genügend Forschungsergebnisse von anerkannten Experten gibt, die Cannabis als ungefährlich einstufen, wird immer noch an der Kriminalisierung festgehalten. Wie so oft regiert nicht die Vernunft. Wir wer­den für dumm verkauft und sollen alles schlucken...

Betty: Fragt sich nur, wie lange noch. Das kann nicht ewig so weitergehen. Die Men­schen werden immer schlauer und werden nicht mehr alles glauben. Bestes Beispiel sind gerade die Skandale um Kindesmiss­brauch bei der Kirche.

Klausi: Ja, das finde ich auch. We gonna fight, fight for our rights, so let's legalise the holy herb.

grow! In diesem Sinne wünschen wir euch al­les Gute und bedanken uns für euere Gast­freundschaft.

Next Post Previous Post